Aus dem Inhalt: • Das bundesdeutsche Fernsehen in kritischanthropologischer Sicht • Bremer Projektstudienplanung und Kritische Theorie • Wissenschaftstheorie und Gesellschaftserkenntnis • Möglichkeiten einer speziellen Kritischen Theorie • Verhältnisse und Verhalten • Apropos Georg Forster • Ethik als Unterrichtsfach • Klassische und subversive Vermächtnisse • Die Rolle der Intellektuellen in unserer Gesellschaft • Ereignis und Ablauf • Zeitigende und verräumlichte Zeit • Beyond Kant, or the Teleology Issue Revisited • Zeitkonstitution, Zeitbewußtsein und Zeiterfahrung • Zeit ist Anhörungsform • Wenn das Anschauen endlich Urlaub braucht • Gespräch über Zeit (mit Michael Wetzel) • Vom Versagen der Bilder und der denkbaren Wiederkehr des Gehörs • Der ohnmächtige Raum und der uneingestandene Fehlschlag der Zeitentmach tung • Zur Aporetik des Staus • Bildstörung • Das sedierte Sensorium • Das Akustische an Geschichte und das Verstopfte an den Ohren der Politik • Zeitreise. Ein Exzeß. Miniroman
‚An den späten Hölderlin erinnert der reflektierende, zugleich hermetische Gestus seiner zwischen Bild und Abstraktion balancierenden Gedichte … Wenige Gegenwartslyriker sind Hölderlin so nahe verwandt.‘ Michael Buselmeier, ‚Hirschstraße‘
– Eine gebildete Sprache – was sie leisten muss – Verteidigung des langen Satzes – Vom Wesen der Mitlaute – Lob der Interpunktionen – Der Dativkomplex – Angewandter Versinnlichungs-Zwischenruf – Ein Bonmot, das Furore gemacht hat – Die Schulen der Sprachlosigkeit. – Thesen zur Frage der Sprachkritik und sprachlichen Praxis – Information in der Demokratie – Journalistensprache als Öffentlichkeitskastration – Aus der Arbeit eines Seminars über bundesdeutsche Fernsehdiskussionen – Hegels Sprache: Pathos und Humor – Kritik an einem (Heidegger-)Referat – Sprachlosigkeitsregelung. Selbstzensur als Geschichtsverleugnung – Theologische Kopfbräuche in Deutschland, und wie man sie loswird – Der unteilbare Etikettenschwindler oder Die Mauer als Müßigkeit – Die Geburt des Unmenschen aus dem Schlaf der Sprache – Arbeitsweisen der Schriftsteller
– Justiz-Interpellation – Vom Preis des Unrechts und der Rentabilität des Rechts – Jurisprudenz und Gesellschaft – Wie frei ist unsere Justiz? – Mißachtet unsere Justiz das Gebot demokratischer Rechtsstaatlichkeit? – Der mißhandelte Rechtsstaat in Erfahrung und Urteil bundesdeutscher Schriftsteller, Rechtsanwälte und Richter – Vorwort zu Lord Dennings Report zum Fall Profumo – Zu den Hintergründen des Falles Weigand – Der Fall Brühne-Ferbach-Strauß – Der Radikalenerlaß – Der Fall Peter-Paul Zahl – Die Sprache des Rechtes als Beugung des Rechtes der Sprache
Aus dem Inhalt Erste Abteilung: Originales Prosa – Doktor Lassings Gedanke – Glückskran – Träume auf Ödholm – Die Dickichte und die Zeichen – Kalter Krieg oder Die Freiheit – Fabulatorisches und Närrische Narrationen Gedichte – Ballade von der Wasserleiche – Erinnerung – Begrüßungsworte zu einem Pinscherball – Fünf Stationen am Autorenweg – Bilder aus der deutschen Vergangenheit – Kinderreime – Letztendlicher Limerick – Herrn Mao Tse Tung, Peking – Raptus Responsum Rhapsodici (an Elazar Benyoëtz) – Limerickscha fünfräderig (für Heinrich Maria Ledig-Rowohlt) – Reisebericht (für Heinrich Böll) Aphorismen – Grenzübertritte – Geschichten in einem Satz – Epische Epigramme – Zettelwirtschaft – Gangarten einer nervösen Natter bei Neumond Briefe – … an Katharina Focke, Axel Matthes, Willy Brandt und König Ödipus – Anhang: Der Hirnschrittmacher Zweite Abteilung: Übersetztes … – James Joyce, Zwei Absätze aus »Finnegans Wake« – Ogden Nash, Ausgewählte Gedichte – Lewis Carroll, »Die Jagd auf den Schnurch« – Hermann Melville, »Die Spießerbank« – William Shakespeare, Sonett LXVI – Barbara Garson, »MacBird« – Anhang: Neal Ascherson, Kiesinger
– Phänomenologische Psychologie und Daseinsanalyse – Der Spezialist als ein psychologisches Problem – Die Menschenwissenschaften und die Spontaneität – Das Leib-Seele-Problem im Lichte phänomenologischer Anthropologie – Die Daseinsanalyse in der Psychotherapie – Unterwegs zu sich selbst – Der Spezialist als moralisches Problem
INHALT: – Die Einübung des Ungehorsams in Deutschland – Institutionalismus und studentische Opposition – Der schnelle Tod und die langsamen Genossen – Strauß oder Die Erreichung des Klassenziels – Kritische Fragen an die SPD – Der grüne Glaubenskrieg als Traditionsveranstaltung – Das Ödipale an den Achtundsechzigern
Die christlichen Kirchen denken sich in ihre heiligen Texte meist genau das hinein, was ihnen gerade zeitgemäß erscheint. Seit Toleranz zu einem der höchsten Werte westlicher Gesellschaften erkoren wurde, wird sie auch im Namen der Bibel gepredigt. Gerd Lüdemann kämpft seit langem gegen diese Art exegetischer Willkür. In seinem neuen Buch über Die Intoleranz des Evangeliums zeigt er, wie krass die Text- und Glaubensfundamente der christlichen Kirchen in Sachen Toleranz dem heutigen kirchlichen Selbstverständnis widersprechen. Vor dem historischen und biblischen Hintergrund kann Lüdemann die Praxis der heutigen Volkskirchen kritisieren, einerseits ihre geistlichen Amtspersonen auf religiöse Intoleranz, nämlich Bibel und Bekenntnis, zu verpflichten, und andererseits den Anspruch zu erheben, an einem toleranten Gemeinwesen mitzuarbeiten. INHALT: Vorwort I. Hinführung, Vorgehen, Absicht II. Toleranz im alttestamentlich-jüdischen Bereich und in der griechisch-römischen Welt zur Zeit der Entstehung der Schriften des Neuen Testaments III. Zweiter Thessalonicherbrief IV. Zweiter und Dritter Johannesbrief V. Erster und zweiter Timotheusbrief, Titusbrief VI. Judasbrief und zweiter Petrusbrief VII. Toleranz, Evangelium, Kirche
– H. G. Wells und der soziale Gedanke – Über die sogenannte Blut- und Bodenliteratur – Sex und Terpsichore – Thomas Mann oder Maß und Anspruch – Gebetsmühle mit Düsenantrieb. Zu Norman Vincent Peale – Rheinische Alternative. Heinrich Böll zum 50. Geburtstag – Erkenntnis als Widerstand. Theodor W. Adorno
„Was mich für Gefühle beschlichen, bei meiner ersten Reise ins Nachkriegs-Deutschland, 1950? Traurige, verzweifelte, zornige, rebellische, alles zusammen; und das alles in ständigem Wechsel. Die Bundesrepublik war ja erst im Jahr vorher gegründet worden und was da so verlautbarte, machte einen ganz sympathischen Eindruck. Andererseits merkte man den Menschen an, daß sie mit ständigen täglichen Sorgen so absorbiert waren, daß man bis zu einem gewissen Grade auch verstehen konnte, daß sie nicht sehr viel darüber hinausdachten. Später waren das natürlich sehr viel bösere Affekte, die sich dann entwickelten, ist ja klar.“ Ulrich Sonnemann; INHALT: Innerlichkeit und Öffentlichkeit – Die Versauerung des Abendlandes – Die Wiedervereinigung Deutschland und die Politik des Immer-davon Redens – Spontaneität und Apparat – Die Sputnikwelt und die Zurückgebliebenen – Die Geheimnisse eines Onkel Aloys – Volk auf die Couch Heinrich Böll, Brief aus dem Rheinland (XVIII) (DIE ZEIT, 6.9.63) ‚Lieber Freund, neben den Grimmschen Märchen lese ich jetzt Das Land der unbegrenzten Zumut-barkeiten, das Du mir dankenswerterweise geschickt hast, und ich stelle zu meinem Erstaunen fest, daß die beiden Bücher sich auf eine merkwürdige Weise ergänzen: sie sind beide, was Du wohl ›spezifisch deutsch‹ nennen würdest – ich nenne es nur deutsch. ›Wonnig‹, wie Du es nennst, kann ich es allerdings nicht finden. Ich bin erstaunt, daß ein solches Buch nicht als das empfunden wird, was es wirklich ist: sensationell. Aber leider sucht man ja bei uns die Sensationen immer am Rand und im Klinischen. Wenn Du meinst, dieses Buch sei ein Intellektuellen-Buch, so frage ich mich beunruhigt, ob die Intellektuellen intelligent genug sind, es zu erkennen.‘
‚Graphologie hatte mich bereits als Kind interessiert, und Joseph Roth, der in meinem Elternhaus verkehrte und ebenfalls graphologisch interessiert und tätig war, hat mich darin bestärkt. In Amerika, bei der Armee, bestand meine Tätigkeit als klinischer Psychologe im wesentlichen darin, ›projektive Techniken‹ anzuwenden; und die Graphologie, von der gar nicht bekannt war, daß sie etwas Seriöses haben könne, wo sie sich auf eine Theorie der Ausdrucksbewegung gründet, die führte ich da ein. Von daher kam es, nach dem Krieg, zu meinem Graphologie-Buch, das zwanzig Jahre lang mit immer erneuten Auflagen auf dem Markt blieb, und zu den Vorlesungen, die ich auf Veranlassung befreundeter Psychoanalytiker über den gleichen Gegenstand am New Yorker City College hielt.‘ Ulrich Sonnemann Inhaltsverzeichnis – Handschriftenanalyse im Dienste der Psychodiagnostik – Der Widerspruch im Irrationalismus – Theorieverbote des Wissenschaftsglaubens – Den fliegenden Untertassen fehlt es an Tassen – Kann Astrologie Erkenntnis sein? – Atlantis zum Beispiel – Die gewonnene Wette
Editionsplan: 1) Graphologie. Handschrift im Spiegel. Irrationalismus im Widerstreit, Herbst 2004; 2) Daseinsanalyse. ‚Existence and Therapy‘. Wissenschaft vom Menschen, Herbst 2005; 3) Negative Anthropologie. Spontaneität und Verfügung. Sabotage des Schicksals, Herbst 2006; 4) Land der unbegrenzten Zumutbarkeiten. Deutsche Reflexionen (1), Herbst 2007; 5) Ungehorsam versus Institutionalismus. Deutsche Reflexionen (2), Herbst 2008; 6) Der mißhandelte Rechtsstaat. Deutsche Reflexionen (3), Herbst 2009; 7) Land der Sprachlosen. Deutsche Reflexionen (4), Herbst 2010; 8) Zeit, Geschichte, Zeitgeschichte. Zeit-Fragmente, Hochschul-Texte, Herbst 2011; 9) Literarisches: Romane, Erzählungen, Gedichte, Dialoge, Aphorismen, Feuilletons, Herbst 2012; 10) Vermischtes: Literatur, Kunst, Musik, Philosophie, Psychologie, Psychohistorie, Herbst 2013 ‚Ulrich Sonnemanns kritisches Philosophieren war eingreifendes Denken, das sich vor keinem Konflikt scheute. Es stand ein für Freiheit, Gleichheit, Geschwisterlichkeit und war beißend, scharf und treffend gegen alles, was sich wider die Verwirklichung von Gerechtigkeit und Menschlichkeit stellte.‘ Wolfdietrich Schmied-Kowarzik ‚Ulrich Sonnemann war der letzte Denker einer authentischen Kritischen Theorie, der als einziger den weiten Bogen zu spannen wußte von der Philosophie zur Literatur, von der Kulturtheorie zur Psychoanalyse, von atlantonautischen Spekulationen zur Physikalischen Kosmologie, vom französischen Diskurs zur Ästhetischen Theorie, von der Musik zur Malerei, von aktuellen politischen Auseinandersetzungen zu den historischen Wurzeln der aktuellen Verhältnisse der Gegenwart.‘ Peter Warsitz
Herausgeber und Redaktion verstehen die Zeitschrift erstens als Diskussionsforum für die materiale Anwendung kritischer Theorie auf aktuelle Gegenstände und zweitens als Rahmen für das Gespräch zwischen den verschiedenen methodologischen Auffassungen über die heutige Form kritischer Theorie. Drittens geht es schließlich darum, vereinzelte theoretische Anstrengungen thematisch zu bündeln und kontinuierlich zu präsentieren. Damit beabsichtigen wir, Autoren zu motivieren, sich an jenem Klärungs- und Aufklärungsprozess zu beteiligen, für den das Projekt kritischer Theorie(n) nach wie vor – oder mehr denn je? – steht.
Herausgeber und Redaktion verstehen die Zeitschrift erstens als Diskussionsforum für die materiale Anwendung kritischer Theorie auf aktuelle Gegenstände und zweitens als Rahmen für das Gespräch zwischen den verschiedenen methodologischen Auffassungen über die heutige Form kritischer Theorie. Drittens geht es schließlich darum, vereinzelte theoretische Anstrengungen thematisch zu bündeln und kontinuierlich zu präsentieren. Damit beabsichtigen wir, Autoren zu motivieren, sich an jenem Klärungs- und Aufklärungsprozess zu beteiligen, für den das Projekt kritischer Theorie(n) nach wie vor – oder mehr denn je? – steht.
Die neuen Gedichte von Ernest Wichner rufen Namen, Landschaften, Orte als poetische Zeugen auf. Sie werden nicht benutzt als Gelegenheiten zum Dichten, sondern durch sie wird Denken zum Sprachereignis in sinnlicher Gestalt. Metaphernstark und gedankengenau. Beeindruckende lyrische Monologe erwarten die Leserinnen und Leser in den zwei Kapiteln des neuen Gedichtbandes. „Seine Texte suchen dezidiert den Anschluß an die Tradition der ästhetischen Avantgarden … Das Widmungsgedicht … ist ein schönes Beispiel für die künstlerische Gewissenhaftigkeit Wichners, die in weiter Entfernung zum schnellen Erlebnisgedicht ihr Formbewusstsein als ordnende Intelligenz der Poesie einsetzt. So entsteht auf engstem Raum ein scharf umrissenes Selbstporträt als Nachgeborener …“. Sibylle Cramer
Fundamentalisten – das sind immer die Anderen. Also diejenigen, die ihre Überzeugungen nicht der Diskussion, dem Zweifel aussetzen wollen und die Mitmenschen zu einer Lebensführung nach ihren Vorstellungen zwingen. Also die intoleranten, bärtigen Finsterlinge im Nahen Osten, ein paar vatikanische Hinterwäldler oder die amerikanischen Sektengurus, die im 20. Jahrhundert beginnen, sich den Errungenschaften der Moderne zu widersetzen. Christoph Türcke bricht mit diesem Cliché radikal. Er zeigt, dass der Fundamentalismus seine Wiege im christlichen Westen hat, wie die Macht des Westens wirksam ist, wo immer die großen monotheistischen Religionen ihre eigenen Fundamentalismen hervorbringen, wie sie sich gegen den Strudel des Nihilismus wehren, in den sie hineingerissen werden – und wie dieser Nihilismus seinerseits fundamentalistische Züge anzunehmen beginnt. Fundamentalismus – maskierter Nihilismus ist Pflichtlektüre für alle, die ahnen, dass Fundamentalismus mehr ist als ein letztes Sich-Aufbäumen der Vergangenheit. Inhalt: 1. The Fundamentals 2. Kleine Genealogie des Begründens 3. Ästhetischer Fundamentalismus 4. Weicher Fundamentalismus 5. Zionismus 6. Hollywoodismus 7. Kehrreim des Fundamentalismus
Das 20. Jahrhundert ließ bürgerliches Leben in Weltkriegen, Inflation, Revolution und industriellem Massenmord versinken. Die Stetigkeit der bürgerlichen ‚Normalität‘, an der sich die Individuen bis dahin ausrichten konnten, wurde zerstört. Wo die äußere Kontinuität des Bürgerlichen vergangen ist, kann Stetigkeit nur noch von den Individuen gestiftet werden. ‚In steter Freundschaft‘, der Briefwechsel zwischen Leo Löwenthal und Siegfried Kracauer, ist ein Dokument des Aufbegehrens gegen den Verlust der Kontinuität. Er zeigt, wie zwei der bedeutendsten kritischen Intellektuellen des 20. Jahrhunderts angesichts der Katastrophen ihre Freundschaft im Gleichklang mit ihren geistigen Positionen entwickeln und bewahren konnten. Der hier erstmals publizierte Briefwechsel, der etwa 180 Briefe umfaßt, beginnt im Jahre 1922 und endet erst mit Kracauers Tod im Jahre 1966. Er zeigt nicht nur die Beständigkeit der Freundschaft von Löwenthal und Kracauer, sondern auch, wie kompliziert das Beziehungsgeflecht zwischen Löwenthal, Kracauer, Adorno, Benjamin und Bloch oft war. Löwenthals letzte umfassende Rede, gehalten auf einer Konferenz zu Ehren von Siegfried Kracauer, vervollständigt den Band. ‚Die Briefe verhelfen uns zu dem Privileg, Mithörer eines lebhaften und bewegten Gespräches zwischen zwei Menschen zu werden, die einer Lebensform huldigten, deren Abgesang Benjamin bereits vorher in ›Deutsche Menschen‹ beschrieben hatte – etwas voreilig, wie man im Lichte dieser Briefe meinen könnte.‘ Aus dem Vorwort von Martin Jay
Herausgeber und Redaktion verstehen die Zeitschrift erstens als Diskussionsforum für die materiale Anwendung kritischer Theorie auf aktuelle Gegenstände und zweitens als Rahmen für das Gespräch zwischen den verschiedenen methodologischen Auffassungen über die heutige Form kritischer Theorie. Drittens geht es schließlich darum, vereinzelte theoretische Anstrengungen thematisch zu bündeln und kontinuierlich zu präsentieren. Damit beabsichtigen wir, Autoren zu motivieren, sich an jenem Klärungs- und Aufklärungsprozess zu beteiligen, für den das Projekt kritischer Theorie(n) nach wie vor – oder mehr denn je? – steht.
Der jüdische Maler Arnold Daghani war einer der wenigen Überlebenden eines Arbeitslagers in der Ukraine. Dort entstand ein Tagebuch, in dem er den schrecklichen Alltag im Arbeitslager festhielt. Dieses reflektierte und eindringliche Zeugnis der Vergangenheit ist so einzigartig, weil es nicht in der Anklage steckenbleibt, sondern auf beeindruckende Weise die Suche nach gegenseitigem Verstehen und einem Weg zur Versöhnung dokumentiert. Seine Aufzeichnungen bilden ein eindrucksvolles Dokument der Zeitgeschichte und stellen ein Gedenkwerk des Holocaust von enormer Komplexität dar.
Marion Poschmann spricht in ihren Gedichten Gefühle nicht direkt an, sondern bindet sie an Ojekte. Dabei verschiebt sie die Grenzen zwischen inneren Zuständen und äußeren Materialien, zeigt das Ich in dieser paradoxen Bewegung. Die Gedichte tragen in einer erkennbaren eigenen Melodie ferne Landschaften und nahe Räume vors Auge. Reich ist das Inventar, bewundernswerter sprachlicher Reichtum. Ihre poetische Welt beginnt in der Topographie bekannter Erfahrungen, um von dort das Fremde, Ungewöhnliche aufzurufen. Ob „Merkblätter für flachgelegte Häuser“, eine „Barocke Serie“ oder das Verschwinden im weiß in „Sibirischen Elegien“, sie verliehrt sich nicht im kunstvollen Gestalten. Immer führt ihr genauer Sprachfluss in eindrucksvollen metaphorischen Wendungen durch die drei verschiedenen Kapitel ihres ersten Gedichtbandes.
‚Sie lebten vergnügt bis an ihren Tod‘, heißt es von Allerleirauh und dem König; im Landgrafenchor der Elisabethkirche liegen sie nebeneinander begraben. Da liegen sie, mit geöffneten Augen, das gewellte Haar fällt auf das steinerne Kopfkissen, zwei Engel sind in der Nähe. Allerleirauh, Frau Holle, Dornröschen, Rapunzel, der Eisenhans – sie alle fanden schließlich ihre Heimat im Marburger Land. Wie sie dahin gerieten? Dieser Frage geht der große Fabulierer Ludwig Harig nach und begibt sich auf die Spur des Jugendstilmalers Otto Ubbelohde, der Anfang des 20. Jahrhunderts in dieser Gegend die wahre Entsprechung für die Schauplätze der Grimmschen Märchen entdeckte. Die erstmals 1910 erschienene dreibändige Ausgabe mit Ubbelohdes Zeichnungen, die das Ergebnis seiner fast zehnjährigen Streifzüge durch die Marburger Umgebung waren, ist für Liebhaber und Kenner ein Muß: ‚kein Berg, den Ubbelohde zeichnete, blieb ungebannt, kein Gemäuer unerlöst. so hart auch seine Feder war, so karg seine Linie, so naturroh seine Räume sind, ein zauberischer Hauch von Jugendstil zieht durch die Bilder hindurch.‘ (Ludwig Harig). Marburg, Amönau und die Burgruine Mellnau sind die Schauplätze von Ludwig Harigs literarischer Entdeckungsreise, die – mal ironisch, mal komisch, mal frivol – einen schillernden Märchenteppich entrollt, der die Grimmschen Welten, Ubbelohdes Jugendstilschöpfungen und die Eindrücke des zeitgenössischen Wanderers auf poetische Weise ineinanderfließen läßt.
Die Auferstehung Jesu von den Toten ist seit alters Fundament der christlichen Kirche und dient ihren Vertretern bis heute offiziell als Grundlage für ihre verschiedenen Tätigkeiten. Selbst innerhalb der Kirche beginnt der Glaube an die Auferstehung Jesu jedoch zu bröckeln. Auch zahlreiche kirchlich gebundene akademische Theologen halten die Auferstehung Jesu nicht mehr für ein historisches Ereignis, obwohl die Kirchen sie als unentbehrliches Requisit hüten. Gerd Lüdemann unterzieht in seinem neuen Buch alle Auferstehungstexte aus dem frühen Christentum einer historischen Prüfung – mit dem Ergebnis, daß die Auferstehung Jesu entgegen dem biblischen Zeugnis und dem kirchlichen Bekenntnis nicht stattfand. Es handelt sich vielmehr um Visionen, die frommen Wünschen entspringen und nichts mit dem wirklichen Schicksal Jesu zu tun haben. Lüdemann kommt zum Schluß: der Glaube an die Auferstehung Jesu ist reine Selbsttäuschung, deren ungeheure Wirkung in krassem Gegensatz zu ihrer historischen Unhaltbarkeit steht.
Inhaltsverzeichnis 1) Peter-Erwin Jansen: Leo Löwenthal – ein optimistischer Pessimist 2) Slavoj Zizek: Happiness as an Ideological Category 3) Christoph Görg: Widerspruch und Befreiung. Perspektiven einer kritischen Theorie globaler Vergesellschaftung 4) Alexandra Manzei: Eingedenken der Lebendigkeit im Subjekt? Kritische Theorie und die anthropologischen Herausforderungen der biotechnischen Medizin 5) Jürgen Hasse: Metropolitane Erlebnisräume in kulturtheoretischer Sicht. Zwei kritische Perspektiven: Adorno und Foucault
Einige Pressestimmen: „Fünf Jahre lang überlebte die „Zeitschrift für kritische Theorie“ in der philosophischen Landschaft nicht nur, sondern gestaltete diese mit. (.) Die Zeitschrift beweist so erneut: In der theoretisch fundierten, dialektisches Denken anwendenden Kritik an konformistischer Alltagsreligion kann sich heute intellektuelles Verantwortungsbewußtsein besonders bewähren.“ Junge Welt „Die Zeitschrift für kritische Theorie setzt die Auseinandersetzung mit der Philosophie der Frankfurter Schule auf hohem Niveau fort.“ Berliner Zeitung „Den Verdacht, dass Kritische Theorie am Ende sei, Sache der Väter und Großväter eher denn einer neuen Generation, kann die Zeitschrift durch ihre Arbeit zerstreuen.“ Frankfurter Rundschau
Herausgeber und Redaktion verstehen die Zeitschrift erstens als Diskussionsforum für die materiale Anwendung kritischer Theorie auf aktuelle Gegenstände und zweitens als Rahmen für das Gespräch zwischen den verschiedenen methodologischen Auffassungen über die heutige Form kritischer Theorie. Drittens geht es schließlich darum, vereinzelte theoretische Anstrengungen thematisch zu bündeln und kontinuierlich zu präsentieren. Damit beabsichtigen wir, Autoren zu motivieren, sich an jenem Klärungs- und Aufklärungsprozess zu beteiligen, für den das Projekt kritischer Theorie(n) nach wie vor – oder mehr denn je? – steht.
Der Autor über seine Lyrik: „Gedichte werden ohne Absicht gemacht, soweit das möglich ist, aber man möchte seine Vergnügungen zaubern, seine Spiele weitertreiben in der Sprache, aus ihr heraus und in sie hinein, alte und neue Formen jonglieren, vernichten, herausfordern, Intonierungen und Tonarten variieren“. Was der hoch geachtete und vielfach ausgezeichnete Dichter und Graphiker Christoph Meckel über sein poetisches Arbeiten sagt, gilt auch für die Gedichte in seinem neuesten Band. Der freie Vers, der Reim, die Variation – „Blut im Schuh“ versammelt eine ungewöhnliche Fülle poetischer Motive und Mittel.
Glenn Gould, Schulzeit in der DDR, belassene Sperrgebiete, der eigene Vater, Mozarts Requiem, die verzettelten Idyllen der Bohème in der Nach-Wende-Zeit und immer wieder Trennungen und Abschiede sind es, von denen Hauke Hückstädts Gedichte erzählen. Geschult an der Stimmungs- und Lichtregie Edward Hoppers oder Dominik Grafs nimmt Hückstädt die alte Tradition des Erzählgedichts auf. Lapidar setzen sie ein, aber aufgeladen, angefressen und nervös von den Geschichten hüten diese Gedichte ihre Atmosphären, Erfahrungen und Fahrlässigkeiten. Neue Heiterkeit ist der erste eigene Gedichtband von Hauke Hückstädt. „Diese Gedichte gehören ins Times Literary Supplement!“ Raoul Schrott „‚Thema über eine Variation‘: mit diesem Kunststück stellt Hückstädt einer legendären Einspielung ein Gedicht zur Seite, das sich in seiner cleveren Leichtigkeit und unprätentiösen Virtuosität neben dem Spiel des Kult-Pianisten Gould zu entfalten weiß: der junge Autor und der Vielbewunderte ergänzen einander, begegnen sich hier auf Augenhöhe.“ Dieter M. Gräf, Die Welt „Hückstädt ist eine der originärsten Stimmen der jungen deutschen Poesie. Wunderschön sperrig und voll ‚verlotterter Weiten‘ sind die Verse dieses Autors.“ Sächsische Zeitung
Jürgen Theobaldys neue Gedichte bleiben dem „Feuerrad des Sommers“ nah. Sein poetischer Blick auf die Tiere überrascht durch eine Leichtigkeit und Gedankenfreude, die an den 1990 erschienenen Band „In den Aufwind“ erinnert. Wer diese Gedichte liest, wird gut nachvollziehen können, was der Autor, der das Gespräch über Lyrik maßgeblich beeinflußte, über seine Arbeit sagt: „Irgendwann weißt du, daß du Gedichte schreibst, weil du nie genau wissen wirst, was ein Gedicht ist. Und so erfährst du es.“ „Selten seit Apollinaires Gefolge des Orpheus sind Tiere so bedichtet worden wie in Jürgen Theobaldys neuem Band ‚Immer wieder alles‘. (.) Fast zehn Jahre hat der 1944 geborene Dichter sich für dieses schmale Bändchen Zeit gelassen; es ist sein bestes geworden.“ Der Tagesspiegel „Bei all seiner Belesenheit hat Jürgen Theobaldy aber stets einen unverwechselbaren eigenen Ton, der mit Begriffen wie Sprödigkeit oder Melancholie nur vage umschrieben ist: eine Sprachmelodie, die Musik nicht bloß nachzuempfinden, sondern träumerisch nachzuschaffen versteht.“ Die Zeit „Bei Theobaldy gibt es (.) keine abgegriffenen Bilder, keine unbeholfenen Psychologisierungen, kein falsches Pathos. Theobaldys Gedichte zeichnen sich durch virtuos eingesetzte Lakonik aus.“ Literaturen
Inhalt: Ulrich Müller: Die Illusion der Formlosigkeit. Zur Kritik gegenwärtiger >Entkunstung< der Künste Gerhard Gamm: ›Aus der Mitte denken‹. Die ›Natur des Menschen‹ im Spiegel der Bio-und Informationstechnologien Gunzelin Schmid Noerr: Zur sozialphilosophischen Kritik der Technik heute Gernot Böhme: Zur Kritik der ästhetischen Ökonomie Egon Becker: Die postindustrielle Wissensgesellschaft – Ein moderner Mythos? Dimitri Karydas/Georg Sagriotis: Die Ränder einer Leerstelle. Kurzer Bericht zur Rezeption kritischer Theorie in Griechenland
Mit ihrem Zyklus „préludes“ in der Lyrik Edition erreichte Katharina Höcker große Aufmerksamkeit. In dem Band „nacht für nichts“ sind neben préludes zwei weitere Gedichtzyklen veröffentlicht. Damit stellt die Autorin ein aufregendes lyrisches Projekt vor, das drei Dichtungen hoher sprachschöpferischer Poesie vereint. Ihre Texte sind Stimmgabeln für eine neue, weiße, unverschriebene Toneinstellung der Sinne.“ Jutta Heinrich „Katharina Höcker fügt Fragmente zu einem neuen, fremd und betörend klingenden Werk zusammen.“ Hannoversche Allgemeine Zeitung „Sie folgen Chopin-Préludes, sind wie diese von oft formelhafter Kürze. Gedanken überlagern sich auf engstem Raum, die Texte sprengen den verläßlichen Satzbau, formen sich zu starken, emotionalen und plötzlich drastischen Bildern.“ Lüneburger Landeszeitung „Aber nicht allein auf formaler Ebene sind Ähnlichkeiten mit der Musik zu erkennen, in jeder Silbe dieser Dichtung entfaltet sich auch ein ungewöhnlich feiner bisweilen sanfter Klang. Dabei werden gleitende Assoziationsfelder aufgebaut voller Vieldeutigkeit und Sprachmagie.“ Braunschweiger Zeitung
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