Poet, Predigtlehrer und Freund – diesem Dreiklang von Heinz Kattners Existenz möchte die Anthologie des seit 15 Jahren sich unter dem Motto „Poesie und Alltag“ freundschaftlich verbindenden Kollegenkreises zu seinem 60. Geburtstag huldigen, indem sie Gedichte, Texte, Zitate Heinz Kattners, Stellen der Bibel und das eigene Schreiben zusammenbringt zu Beiträgen, in denen dieser Dreiklang sein Echo findet, – und so dem Leser Bruchstücke unserer Konfession zuspielen. Texte von Heinz Kattner • Hannelies Taschau • Oskar Ansull • Georg Oswald Cott • Hugo Dittberner • Hans Georg Bulla • Wilhelm Steffens • Johann P. Tammen
Die Buchbranche zwischen Glamour und Jammer: Uwe Wittstock ist als früherer Lektor und heute als Kritiker und Autor bestens mit den notorischen Stimmungsschwankungen des Literaturbetriebs vertraut. Abseits des medienwirksamen Jubelns und Klagens hat er eine stille, aber zahlenmäßig starke Gruppe von Suchtgefährdeten ausgemacht: die Büchersäufer. Unbeeindruckt vom Gerede über den angeblich bevorstehenden Untergang des Kulturguts Buch, sind sie dem Lesen hoffnungslos verfallen. Uwe Wittstock geht der Sucht nach, stellt Buchhändler vor, die – mit geringen finanziellen Mitteln, aber unter hohem persönlichen Einsatz – ihre Stammkunden jahrzehntelang mit der heißbegehrten Ware versorgen, oder Verleger, die das Rauschmittel auf den Markt bringen. Er fragt, ob die fortschreitende Ausbreitung der Buchhandelsketten das Aus für bestimmte literarische Sparten bedeutet, was die Deutschen bevorzugt lesen und ob sie wirklich weder Talent für Krimi noch für Revolutionen haben. Und seufzt im Anschluß an die Lektüre absatzträchtiger Liebesromane, ob nicht, bitte, einmal ein ernstzunehmender darunter sein könnte. – Themen, denen er ganz ohne kulturpessimistische Scheuklappen nachgeht und die er mit Hintersinn und höchst amüsant beleuchtet.
Das ZDF feierte Heinrich Göbel (1818 – 1893) als den eigentlichen Erfinder der elektrischen Glühlampe, in vielen Enzyklopädien ist es nachzulesen, die Post ehrte Göbel noch 2004 mit einer Briefmarke. Seine Geburtsstadt Springe feierte ihn mit Festen, Münzen und monumentalen Denkmalen – und doch ist alles nur Legende. ‚Die Göbel-Legende. Der Kampf um die Erfindung der Glühlampe‘ zeigt, wie die Legende entstanden ist, wie sie sich ausbreiten konnte und welche grotesken Folgen sie hat.
‚Seine Gedichte gehen oft von konkreten Situationen aus, notieren eine lauernd erregte Realität und kommen häufig zu Reflexionen, die sein Schreiben vom Grund der menschlichen Existenz erhält.‘ Joachim Sartorius ‚Sicher ist, dass sich hier ein Autor ganz entschieden in die Tradition einer metaphysisch inspirierten Bewußtseinspoesie stellt.‘ Michael Braun Textprobe: Gewölle // Immer öfter erwache ich von Schritten, / die sich knirschend entfernen. Das sind Teile, / die anderen, für die ich mich hielt, als es nicht / so still war, und die sich auch voneinander trennen // und am Feldrand verschwinden. / Wenig, was allmählich auf den Flächen / der Dämmerung hervortritt, umrissen, detailliert / wie das zerkratzte Gesicht eines Kindes: / Federreste, halb verdaute Knöchelchen, / die eine Handvoll Finger auseinanderzupft.
Herbert Marcuses bahnbrechende Arbeiten für den US Geheimdienst über die Mentalität der Deutschen im NS-Staat. Herbert Marcuse arbeitete von 1942 bis 1951 für den US-amerikanischen Geheimdienst, um aktiv an der Bekämpfung des NS-Systems teilzunehmen. Er fertigte Analysen über die psychische und ideologische Verfassung des autoritären deutschen Kollektivs an. Die Feinde, aus deren Mitte er selbst hervorgegangen war, wollte er begreifen, bekämpfen und, nachdem der Sieg errungen, wieder in die Zivilisation zu integrieren helfen. Marcuse zeigt, wie sich die technologische Rationalität und der Pragmatismus der Deutschen mit ihrem Hang zu mythischer Irrationalität zu einer ›neuen deutschen Mentalität‹ verbinden. Jedes Projekt einer Befreiung und ›Re-education‹ Deutschlands, so lautet Marcuses Fazit, habe diese spezifische Mentalität in ihr Kalkül aufzunehmen. Inhalt: Die neue deutsche Mentalität / Darstellung des Feindes / Staat und Individuum im Nationalsozialismus / Über psychologische Neutralität / Über soziale und politische Aspekte des Nationalsozialismus / Kriegs- und Nachkriegsgeneration / Deutsche Philosophie im zwanzigsten Jahrhundert / 33 Thesen / Ist eine freie Gesellschaft gegenwärtig möglich?
Als leidenschaftlichen Reisenden treibt es Ludwig Harig stets an sagenumwobene, geheimnisvolle Orte. Diesmal setzt er sich auf die Fährte von König Artus und Ritter Lancelot. In den vergangenen vierzig Jahren hat er sich immer wieder an die legendären Stätten ihrer Abenteuer begeben, in der Bretagne die Schauplätze des Mythos aufgespürt. Als seinen ‚Baedeker‘ hat er Robert Wace’ mittelalterliche Artus-Dichtung und Chrétien de Troyes’ Lancelot-Epos im Gepäck. Überraschende Fundstücke aus der Vergangenheit und kuriose Überblendungen mit der Gegenwart bilden den Ausgangspunkt für die eigenwilligen literarischen Exkursionen des großen Fabulierers Ludwig Harig im Zwielicht von Phantasie und Wirklichkeit. Auszüge aus den mittelalterlichen Dichtungen verknüpft er mit eigenen Eindrücken und Erlebnissen zu einem anspielungsreichen poetischen Erzählspiel. Die feinziselierten Zeichnungen des unlängst verstorbenen Hans Dahlem, der seinen Freund Ludwig Harig auf einigen seiner Erkundungsfahrten begleitete, nehmen die zauberischen Elemente der Geschichten stimmungsvoll auf und verführen zum Tagträumen.
Herausgeber und Redaktion verstehen die Zeitschrift erstens als Diskussionsforum für die materiale Anwendung kritischer Theorie auf aktuelle Gegenstände und zweitens als Rahmen für das Gespräch zwischen den verschiedenen methodologischen Auffassungen über die heutige Form kritischer Theorie. Drittens geht es schließlich darum, vereinzelte theoretische Anstrengungen thematisch zu bündeln und kontinuierlich zu präsentieren. Damit beabsichtigen wir, Autoren zu motivieren, sich an jenem Klärungs- und Aufklärungsprozess zu beteiligen, für den das Projekt kritischer Theorie(n) nach wie vor – oder mehr denn je? – steht.
f l u n d e r n/ und von der plastiktüte aus dem kühlschrank/ wo sie schon lagen 24 stunden oder auch weniger/ wenn man die öffnet kommt ein hauch den/ kann man seele nennen und sie/ hat die form von weißem rauch/ die küche könnt durchdrungen sein vom pochen wohl der herzchen/ wenn sie zum waschbecken getragen werden/ zuckend das flügelpaar der iris hornhaut die/ kalter ostseeschleim nicht länger mehr bewimpert/ der kiemenschnitt raus kommen schwimmblase und eier stach/ in die afteröffnung brust vorsichtig hier das messer führen/ die stachelige haut mit einem handschuh nur berühren/ die innereien leber galle herz entfernen zurück bleibt/ einzig und allein das augenpaar das immer noch nicht brach/ das sind die nerven zum pochen nicht braucht/ die flunder ihr herzchen sie ist auch ohne wach/ auch zum schlagen nicht der flossen/ auch nicht zum bäumen zum erschrecken/ auch nicht zu einem letzten atemholen: ach ‚In den Gedichten von Sabine Schiffner wird eine romantische Moderne aufgebaut, die im Stocken gehalten wird durch Abgeschliffnes, Abgerissenes, angeschwemmte Sprachflöße, die ineinandergeschoben werden …‘ Basler Zeitung
Der Begriff der Heimat hat eine dunkle Geschichte, die der Erhellung bedarf, und sie hat womöglich mehr Zukunft, als uns lieb ist. Je mehr Heimatlosigkeit die mobile, flexible neoliberale Welt mit sich bringt, desto unausweichlicher wird es, von Heimat zu reden. Heimat ist ein deutsches Wort, das sich nicht umstandslos in andere Sprachen übersetzen läßt. Heim, Haus, Schutz, Seßhaftigkeit schwingen da mit. Heimat ist, wo man zu Hause, geborgen, mit allem vertraut ist. Heimat ist ein Idiom. Es ist schwer belastet mit Geschichte. Deutsche Romantik, deutsche Volkstümelei und deutscher Faschismus haben sich ausgiebig seiner bedient. Unzählige Male ist es mißbraucht und verhunzt worden. Aber sein Mißbrauch raubt ihm keineswegs alle Berechtigung. Im Gegenteil, ihr verantwortungsvoller Gebrauch wird um so dringlicher. Solange das Gefühl, das sich Heimweh nennt, bei kleinen und großen Kindern nicht ausstirbt, gibt es keinen vernünftigen Grund, das Wort Heimat aus der deutschen Sprache zu tilgen.
‚Wir haben zuwenig Kinder und wir werden immer älter. Unsere Zukunft und die unserer Kinder steht auf dem Spiel‘, sagt Horst Köhler. ‚Im Krieg der Generationen sind Sie dabei. Tatsächlich ist unsere Lage unhaltbar geworden‘, sagt Frank Schirrmacher. Nicholas Strange aber fragt: Wird die schrumpfende Zahl von Arbeitsfähigen wirklich unvermeidlich von der dramatisch steigenden Masse alter Leute erdrückt? Zwar ist an der demographischen Entwicklung kein Zweifel möglich. Die Folgen aber stellen dank der vorhandenen Produktivitäts- und Arbeitskraftreserven unserer Wirtschaft kein unvermeidliches Problem dar. Denn bei fünf Millionen Arbeitslosen, durchschnittlich zweiprozentigem Produktivitätsfortschritt pro Jahr und vergleichsweise extrem langen Ausbildungszeiten sind diese Reserven in Deutschland sehr groß. Seine detaillierte Analyse läßt den Autor zu dem Schluß kommen: Im schlimmsten Falle werden wir in 50 Jahren nur doppelt, nicht dreimal so großen Wohlstand genießen können wie heute.
Die wahren Europameister leben in der europäischen Provinz – 25 Fotografen sind in die 25 EU-Mitgliedsländer ausgeschwärmt und geben in ebenso komischen wie charakteristischen Bildreportagen Porträts vom politischen Leben auf dem Lande. Nicht aus der Zentralperspektive der Macht, sondern mit dem mikroskopischen Blick auf Dörfer und Städtchen haben Meisterschüler der Fotografie die einzigartige Vielfalt Europas eingefangen. Die Helden ihrer Reportagen sind Feierabend- und Teilzeitpolitiker: Bürgermeister im Ehrenamt. Liebevolle und warmherzige, schrille und komische Portraits sind so entstanden, die exemplarisch für je ein EU-Land stehen. Kurze Texte ergänzen die Bilder um die nötigen Informationen zu jedem Bürgermeister, seinem Wohnort und seiner Arbeit. So machen die Bildreportagen in Europameister für einen Moment das Gezänk um die Zukunft Europas vergessen.
Herausgeber und Redaktion verstehen die Zeitschrift erstens als Diskussionsforum für die materiale Anwendung kritischer Theorie auf aktuelle Gegenstände und zweitens als Rahmen für das Gespräch zwischen den verschiedenen methodologischen Auffassungen über die heutige Form kritischer Theorie. Drittens geht es schließlich darum, vereinzelte theoretische Anstrengungen thematisch zu bündeln und kontinuierlich zu präsentieren. Damit beabsichtigen wir, Autoren zu motivieren, sich an jenem Klärungs- und Aufklärungsprozess zu beteiligen, für den das Projekt kritischer Theorie(n) nach wie vor – oder mehr denn je? – steht.
In der Dichtung Christian Saalbergs hallt der Surrealismus nach und wird auf eigenständige Weise weitergeführt. Seine Bilder und Metaphern sind nicht gekünstelt, der Tonfall der Gedichte verzichtet auf hohles Pathos, Konkretes und Abstraktes wird auf überraschende Weise kombiniert. Es komme, was da mag // Ich esse nicht./ Ich trinke nicht./ Ich schlafe nicht./ Ich lebe nicht./ Gebe mich damit zufrieden, bei meinem Rundgang/ durch die Ruinen über Pyramiden zu stolpern/ Und vor einer Sphinx zu verweilen, deren/ wundervoller Leichnam mir das Leben zeigt,/ Das sich in mir verbirgt: / Ein roter Ast, zusammengefallene Schatten/ und unter schlummernden Lidern/ Die Erinnerung an den Tod.
Am 24. April 2005 jährt sich zum 90. Mal der Beginn des Völkermords an den Armeniern, den Elie Wiesel einen ‚Holocaust vor dem Holocaust‘ nannte. An diesem Tag ließ die jungtürkische Regierung des Osmanischen Reichs die gesamte armenische Elite in der Hauptstadt Konstantinopel verhaften. Gut die Hälfte der etwa 2 Millionen Armenier im Osmanischen Reich fiel Erschießungen und Todesmärschen zum Opfer. Kein fremder Staat war so nah am Geschehen wie das deutsche Kaiserreich, der wichtigste Alliierte der Türkei im Ersten Weltkrieg. Seine Missionare, Lehrer, Offiziere, Konsuln und Botschafter zeichneten die Details des Völkermords nach, einige seiner Offiziere nahmen auch aktiv an der Vernichtung der Armenier teil. Bis heute leugnet die Türkei, der Rechtsnachfolger des Osmanischen Reichs, offiziell den Genozid, noch heute weiß die deutsche Öffentlichkeit nur wenig über diesen unheimlichen Vorgänger der Shoah. Die in Der Völkermord an den Armeniern 1915/16 gesammelten, bis heute weitgehend unpublizierten Dokumente bieten Zündstoff für eine nicht nur im Hinblick auf die EU-Erweiterung äußerst brisante Diskussion – und Lehrmaterial zu der Frage, ob der Holocaust ein Vierteljahrhundert später wirklich so unvorhersehbar war.
Die Ordnung des Schnees ist der erste Gedichtband von Andreas Münzner. Er läßt die Erscheinungen und die Dinge sprechen und geht mit seinen Metaphern über gewohnte Grenzen. Seine Welt entsteht aus einem feinen Empfinden für das Absurde in bekannten Wahrnehmungen: ‚wo die Maschinen / sich nach einem Wort / des Zuspruchs sehnen.‘ Meisterhaft beobachtet er, verschiebt und verwandelt er Eigenschaften und Perspektiven. Seine Poesie schreibt sich – manchmal märchenhaft suggestiv – in einem klangvollen Erzählton von Gedicht zu Gedicht. ‚Hier schreibt einer so, wie man tanzen sollte. Mit hohem Formbewusstsein, jugendlicher Verspieltheit, unschuldiger Sinnlichkeit.‘ Carsten Hueck, Financial Times Deutschland
›Deutschland im Kleinen‹ wird das Schaumburger Land genannt. Es reicht vom Steinhuder Meer mit Sandstrand und Feuchtgebieten über Wälder und Äcker bis hin zu den felsigen Klippen des Süntels. Man findet viele verschiedene Landschaftstypen auf kleinem Raum. Hier leben Tiere und Pflanzen, die man eigentlich in ganz anderen Regionen suchen würde. Das Buch beschreibt ausführlich die Entstehung der Landschaft von der Eiszeit bis heute und stellt die in diesem Gebiet lebenden Wildtierarten dar. Es werden Spaziergänge und Wanderungen vorgeschlagen, auf denen man die verschiedenen Landschaftstypen gut kennenlernen kann. Der reich bebilderte Führer passt in die meisten Jackentaschen – erst recht in jeden Wanderrucksack. Mit einer Übersichtskarte und zahlreichen farbigen Abbildungen.
Im Mai 1998 wird Ronny Rieken, Vater von drei kleinen Kindern, festgenommen. Er soll zwei Mädchen missbraucht und ermordet haben. Der erste großflächige Einsatz eines Speicheltests zur Genanalyse hat die Polizei auf seine Spur geführt. Rieken gesteht sofort, ist kooperativ, bereut anscheinend aufrichtig. Der Fall ist geklärt. Für die Ermittler. Für die Gesellschaft hingegen bleibt der Fall ungeklärt. Was treibt einen Menschen dazu, wehrlose Geschöpfe, die seine eigenen Kinder sein könnten, zu mißbrauchen, zu quälen, zu töten? Warum brechen die zivilisatorischen Schutzwälle der menschlichen Psyche so unvermittelt? Weshalb halten diese Schutzwälle bei den meisten, bei einem wie Ronny Rieken aber nicht? Heinrich Thies hat zahlreiche Gespräche mit Ronny Rieken in der Haftanstalt geführt, er hat mit den Eltern seiner Opfer gesprochen, Psychiater, Psychologen, Polizeibeamte, Kriminologen und Familienangehörige befragt, den Mordprozeß besucht, das psychiatrische Gutachten und die Urteilsbegründung ausgewertet. Das beeindruckende und beklemmende Portrait eines Kindermörders von Heinrich Thies zeigt, wie nah Abgrund und Normalität beieinanderliegen.
Das beliebte, reich bebilderte Kunst- und Kultur-Lexikon (KKL) erschließt das kulturgechichtliche Einst und Jetzt Hannovers. Für die Neuausgabe wurden die drei Teile (Chronologien, Kunst- und Baudenkmäler, Biographien) des Buches auf den neuesten Stand gebracht und ergänzt. Neu hinzugekommen sind Kurzcharakteristiken der wichtigsten kulturellen Institutionen und Vereine in Hannover; neu ferner auch der Überblick über wichtige Kulturdenkmäler jenseits der Stadtgrenzen im Raum Hannover. Die Neuausgabe macht das Werk wieder zum zuverlässigsten Kompendium für die kulturelle Erschließung Hannovers zu Hause und vor Ort.
Schillers Todestag jährt sich im Mai 2005 zum 200. Mal. Burkhard Müller will den Untiefen der Jubiläumsliteratur entgehen. Weder läßt er Schiller ein weiteres biographisches Begräbnis erster Klasse zuteil werden. Noch tut er ihn als ‚Idealisten‘ ab, also als sympathischen Spinner. Stattdessen geht er von dem aus, was Schillers Größe ausmacht: der leidenschaftlichen Sprache des Dichters, in der er seine Bühnenfiguren erschafft und sie zu ihren Taten vorantreibt. Wie in seinem dramatischen Werk läßt Schiller sich auch in seinen philosophischen und historischen Schriften vom szenischen Sprachdenken fortreißen, halsbrecherisch kommen seine Thesen daher; sie gleichen Verschwörungen des Geistes, wobei der ausgefuchste Plan immerfort durch die kühne Improvisation überholt wird. In unserem Zeitalter, dessen Theater schwach und dessen Theorieunlust ausgeprägt ist, ist Burkhard Müllers schwungvoller Essay eine Provokation – und wird damit dem Vermächtnis Schillers gerecht.’Wie oft habe ich den Regisseur verflucht, der die Schauspieler, die ersichtlich ihr Handwerk könnten, wenn man sie nur ließe, für seine Mätzchen verbrät wie ein stümperhafter Koch, der aus lauter erstklassigen Zutaten einen Fraß anrichtet und dafür gar noch gelobt werden will! Das Theater wird nur dann eine Zukunft haben, wenn es wieder zum Theater der Schauspieler wird und dem Regisseur den Platz anweist, der ihm zukommt, irgendwo zwischen Garderobenfrau und Beleuchter.‘ Burkhard Müller
– H. G. Wells und der soziale Gedanke – Über die sogenannte Blut- und Bodenliteratur – Sex und Terpsichore – Thomas Mann oder Maß und Anspruch – Gebetsmühle mit Düsenantrieb. Zu Norman Vincent Peale – Rheinische Alternative. Heinrich Böll zum 50. Geburtstag – Erkenntnis als Widerstand. Theodor W. Adorno
Aus dem Inhalt: • Das bundesdeutsche Fernsehen in kritischanthropologischer Sicht • Bremer Projektstudienplanung und Kritische Theorie • Wissenschaftstheorie und Gesellschaftserkenntnis • Möglichkeiten einer speziellen Kritischen Theorie • Verhältnisse und Verhalten • Apropos Georg Forster • Ethik als Unterrichtsfach • Klassische und subversive Vermächtnisse • Die Rolle der Intellektuellen in unserer Gesellschaft • Ereignis und Ablauf • Zeitigende und verräumlichte Zeit • Beyond Kant, or the Teleology Issue Revisited • Zeitkonstitution, Zeitbewußtsein und Zeiterfahrung • Zeit ist Anhörungsform • Wenn das Anschauen endlich Urlaub braucht • Gespräch über Zeit (mit Michael Wetzel) • Vom Versagen der Bilder und der denkbaren Wiederkehr des Gehörs • Der ohnmächtige Raum und der uneingestandene Fehlschlag der Zeitentmach tung • Zur Aporetik des Staus • Bildstörung • Das sedierte Sensorium • Das Akustische an Geschichte und das Verstopfte an den Ohren der Politik • Zeitreise. Ein Exzeß. Miniroman
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