Die Festung Wilhelmstein im Steinhuder Meer: Eine überlegene Armee hat sie verzweifelt zu bezwingen versucht und ist doch schließlich gescheitert! Wir schreiben das Jahr 1787. Der Landgraf von Hessen-Kassel hat das Schaumburger Land überfallen und unterworfen. Nur noch der alte und erfahrene Festungskommandant Major Rottmann bietet dem Landgrafen die Stirn und verteidigt mit seiner kleinen Besatzung eisern den Wilhelmstein. Bis die Angreifer aufgeben müssen. Fast drei Jahre, nachdem sich die Hessen zurückgezogen haben, wird die Leiche des tapferen Rottmann aus dem Steinhuder Meer gezogen. War es Mord? Was haben Neuankömmlinge und heimliche, nächtliche Eindringlinge auf der Festung mit seinem Tod zu tun? Ist der Karrieresprung von Rottmanns Nachfolger als Kommandant nicht ein zwingendes Motiv? Bodo Dringenbergs Kriminalroman über den Mord auf dem Wilhelmstein hält sich eng an die historischen Fakten – denn bekanntlich ist die Spannung dort am größten, wo der Wahrheit die Ehre gegeben wird.
Herausgeber und Redaktion verstehen die Zeitschrift erstens als Diskussionsforum für die materiale Anwendung kritischer Theorie auf aktuelle Gegenstände und zweitens als Rahmen für das Gespräch zwischen den verschiedenen methodologischen Auffassungen über die heutige Form kritischer Theorie. Drittens geht es schließlich darum, vereinzelte theoretische Anstrengungen thematisch zu bündeln und kontinuierlich zu präsentieren. Damit beabsichtigen wir, Autoren zu motivieren, sich an jenem Klärungs- und Aufklärungsprozess zu beteiligen, für den das Projekt kritischer Theorie(n) nach wie vor – oder mehr denn je? – steht.
Die Geburt Jesu durch die Jungfrau Maria ist eine dogmatische Grundfeste der christlichen Kirchen. Zwar ist diese Feste, besonders in protestantischen Kreisen, längst aufgeweicht. Aber ohne die Annahme einer unbefleckten Empfängnis lässt sich der Glaube an Jesus als dem Sohn Gottes nicht aufrechterhalten. In ‚Jungfrauengeburt‘ untersucht der bedeutende Bibelforscher Gerd Lüdemann alle Hinweise in den Schriften der ältesten Kirche und in den konkurrierenden jüdischen Quellen. Er erhellt die Aussageabsichten der biblischen Quellen und behandelt die Frage, was im Zusammenhang mit der Geburt Jesu geschah. Das Bild von der Geburt der zentralen Person des christlichen Glaubens wird durch Lüdemanns Arbeit scharf korrigiert. Eine aufrichtige Diskussion der theologischen Zusammenhänge und ihrer gesellschaftlichen Auswirkungen ist ohne seine Arbeit nicht denkbar.
Eins, zwei, drei! Im Sauseschritt … soll die Zeit ruhig laufen, hpw läuft nicht mit. Der Autor geht sein eigenes Tempo und will nicht schneller sein als … eine Rolltreppe vielleicht. Nur wer so sachte durch den Tag flaniert, kann Gedanken aufsammeln, den Menschen beim Leben zuschauen und daraus hintersinnige Geschichten machen. Im zweiten Glossenbuch des HAZ-Redakteurs erfährt man auch ein paar neue Dinge aus seinem Privatleben. Zum Beispiel, wie es kam, dass hpw kein berühmter Schauspieler wurde.
Rangun im Herbst 2007: In den Straßen der birmesischen Hauptstadt macht das Militär Jagd auf Demonstranten, die gegen die Militärmachthaber aufbegehren. Marko Martin gehört zu der Handvoll westlicher Reporter, die undercover von den Unruhen berichten. Mehrmals entkommt er nur knapp der Verhaftung, wird Zeuge der allgegenwärtigen Überwachung, macht Bekanntschaft mit Dissidenten und erlebt das wachsende Unbehagen eines unterdrückten Volkes. Der Autor, in der DDR aufgewachsen und mit den Mechanismen totalitärer Regime vertraut, widmet sich in seinen Reportagen den Freiräumen, die sich selbst in Diktaturen bieten. Ganz gleich, ob sich der Freiheitsdrang in hedonistischer Weise, wie bei den Vertretern der Teheraner jeunesse dorée, in aktivem Aufbegehren bei den politischen Aktivisten in Hongkong oder nur in Gesten und Blicken im kambodschanischen Angkor äußert – mit großem Einfühlungsvermögen, jedoch ohne Tremolo schildert Marko Martin ‚Sonderzonen‘ der Rebellion und Subversion in einer Region, die zwischen Wirtschaftswachstum und Repression changiert.
‚Lufthunde‘: In Kafkas ‚Forschungen eines Hundes‘ sind das die rätselhaften Wesen, die, je für sich und geschieden von den anderen ihres Geschlechts, hoch oben durch die Lüfte treiben und ihrer Tätigkeit nachgehen. Was sie genau tun, ist schwer festzustellen, aber jeder kann ihnen zusehen, wie sie im Äther segeln. ‚Lufthunde‘ heißt dieses Buch, weil es die Geschichte der deutschen literarischen Moderne in einer Reihe von Einzelporträts erzählt. Wichtiger als ihr Zusammenhang und wichtiger auch als das einzelne Werk ist die Gestalt des Autors, wie sie aus seinen Schriften hervortritt. Den Anfang macht Kafka mit seinen Tierparabeln; und es folgen so verschiedene Temperamente wie Musil, Rilke, Morgenstern, Gottfried Benn, auch Wilhelm Busch, unter den Frauen Irmgard Keun und Gertrud Kolmar. ‚Nein, wirklich, wir haben es mit einem großen Autor zu tun‘, schrieb Michael Maar in der FAZ und bescheinigte dem Autor bei dessen letztem Buch, dass er sich nunmehr ‚endgültig in der Thronreihe der deutschsprachigen Essayisten niederlassen kann‘.
Nirgendwo auf der Welt erfreut sich revolutionäres Pathos einer so ungebrochenen Konjunktur wie in Lateinamerika, wo es mit rhetorischer Kraftmeierei, Eros, Exotismus und Folklore eine schier unwiderstehliche Verbindung einzugehen scheint: divenhafte Diktatorengattinnen werden zu Nationalheiligen verklärt, gefallene Guerilleros genießen Popstar-Status. Die politischen Szenarien in den betreffenden Ländern ähneln einander. Volksbefreier linker und rechter Provenienz treten auf die politische Bühne, verkünden das Ende von Armut und Korruption. Einmal an die Macht geputscht oder ins Amt gewählt, werden Hoffnungsträger zu Diktatoren oder deren Bewunderer. Buchs Reiseberichte und Reportagen, Analysen und politische Kommentare erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Seine außerordentliche Beobachtungsgabe, seine intime Kenntnis der politischen Zustände und kulturellen Verfaßtheit gewähren dem Leser einen privilegierten Einblick in die lateinamerikanische Realität.
Sie hatte glänzende Aussichten. Sie hätte mit den gekrönten Häuptern Europas an einem Tisch sitzen, die erste Geige in mächtigen Königshäusern spielen können. Und doch verbrachte sie mehr als dreißig Jahre ihres Lebens als Gefangene in einem abgeschiedenen Ort in der norddeutschen Tiefebene, verbannt in einen Fachwerkpalast – verhöhnt als ‚Prinzessin von Ahlden‘, verehrt als ‚Königin der Herzen‘. Die Geschichte der Prinzessin Sophie Dorothea ist durchwirkt von Liebe und Hass, Machtstreben und Intrigen. Während das Haus Hannover den englischen Thron erobert, wird die Gemahlin des künftigen Monarchen in die deutsche Provinz abgeschoben. Die Romanbiografie orientiert sich in den entscheidenden Eckpunkten an der realen Lebensgeschichte der Tochter des Herzogs von Celle, die gegen ihren Willen mit ihrem Cousin Georg Ludwig verheiratet wird. Ausschließlich machtpolitische Erwägungen sind es, die zu dieser Heirat führen – und so wird die Ehe zur Katastrophe.Die Prinzessin bringt zwar zwei Kinder zur Welt, kommt Georg Ludwig damit aber nicht näher. So stürzt sich Sophie Dorothea in die Liebesaffäre mit dem schwedischen Oberst Philipp Christoph Königsmarck.Die beiden wechseln Briefe, verabreden sich zu heimlichen Treffen. Doch schließlich kommt die Affäre ans Licht und die Folgen sind fatal.
Papst Benedikt XVI., Joseph Ratzinger, wird als ‚Der Intellektuelle auf dem Heiligen Stuhl‘ verehrt, weil er Glauben und Vernunft nicht als Gegensätze sieht. Wie aber steht es um den Vernunftgebrauch des Heiligen Vaters? Im Frühjahr 2007 veröffentlichte er ein Jesusbuch, das den Jesus der Evangelien als den wirklichen, historischen Jesus darstellt. Er hält die Evangelisten für zuverlässige Zeugen und verwirft den allgemeinen kritischen Konsens, daß zahlreiche Jesusworte und -taten erst später erfunden wurden und daß wir demgemäß nur wenig Sicheres über Jesus wissen. Gerd Lüdemann – selbst Verfasser einer umfassenden Untersuchung aller erhaltenen Jesustraditionen aus den ersten beiden Jahrhunderten – überprüft die Ausführungen Joseph Ratzingers in einer auch für Nicht-Theologen verständlichen Weise. Seine Untersuchungen zum Jesusbild von Joseph Ratzinger erweisen, daß der Papst in seinen Auslegungen biblischer Texte die Vernunft vor den Karren des Glaubens spannt. Auch der Intellektuelle Benedikt XVI., so Lüdemanns Resultat, muß historisch gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse um der Rettung des kirchlichen Dogmas willen verbiegen.
Inhalt: Hermann Schweppenhäuser: Bemerkungen zur Bedeutung ausdruckstheoretischer und kulturphysiognomischer, Studien für eine interdisziplinäre, Kulturwissenschaft. Eine Skizze. Gunzelin Schmid Noerr: Der symbolische Zeichengebrauch, in der Lebenswelt, im Alltagsmythos, und in der Kunst José M. Romero: Adornos gesellschaftliche Physiognomik als dialektische Interpretation Jan C. Schmidt: Realkonstruktivismus als kritischmaterialistische, Erkenntnistheorie Andreas Woyke: Gedanken zur modernen Aporetik, instrumenteller Rationalität Cristian Alvarado Leyton: Kapitaleliten und ihr meritokratischer Mythos. Zur Verbindung des marxschen und bourdieuschen Kapitalbegriffs als Grundlage für eine kritische Elitenforschung Oliver Kozlarek: Eine Geographie der Befreiung. Boaventura de Sousa Santos’ Kritik an der Vergeudung von Erfahrungen Astrid Deuber-Mankowsky: »Nichts ist politisch. Alles, ist politisierbar«. Biomacht und Politik Christoph Türcke: Das Wahrheitsparadox Roger Behrens im Gespräch mit Claus-Steffen Mahnkopf über das Projekt einer ›Kritischen Theorie der Musik‹: »Man müsste das komplette Musiksystem umbauen.« Micha Brumlik im Gespräch mit Eveline Goodman-Thau: Zerbrochene Schalen und Bilderverbot. Adorno als jüdischer Denker Tim Raupach: Töne und Zeichen. Zwei neue Publikationen zur kritischen Kulturtheorie Marc Kleine: Adorno and Ethics. Eine Sondernummer der New German Critique
Poet, Predigtlehrer und Freund – diesem Dreiklang von Heinz Kattners Existenz möchte die Anthologie des seit 15 Jahren sich unter dem Motto „Poesie und Alltag“ freundschaftlich verbindenden Kollegenkreises zu seinem 60. Geburtstag huldigen, indem sie Gedichte, Texte, Zitate Heinz Kattners, Stellen der Bibel und das eigene Schreiben zusammenbringt zu Beiträgen, in denen dieser Dreiklang sein Echo findet, – und so dem Leser Bruchstücke unserer Konfession zuspielen. Texte von Heinz Kattner • Hannelies Taschau • Oskar Ansull • Georg Oswald Cott • Hugo Dittberner • Hans Georg Bulla • Wilhelm Steffens • Johann P. Tammen
Die Buchbranche zwischen Glamour und Jammer: Uwe Wittstock ist als früherer Lektor und heute als Kritiker und Autor bestens mit den notorischen Stimmungsschwankungen des Literaturbetriebs vertraut. Abseits des medienwirksamen Jubelns und Klagens hat er eine stille, aber zahlenmäßig starke Gruppe von Suchtgefährdeten ausgemacht: die Büchersäufer. Unbeeindruckt vom Gerede über den angeblich bevorstehenden Untergang des Kulturguts Buch, sind sie dem Lesen hoffnungslos verfallen. Uwe Wittstock geht der Sucht nach, stellt Buchhändler vor, die – mit geringen finanziellen Mitteln, aber unter hohem persönlichen Einsatz – ihre Stammkunden jahrzehntelang mit der heißbegehrten Ware versorgen, oder Verleger, die das Rauschmittel auf den Markt bringen. Er fragt, ob die fortschreitende Ausbreitung der Buchhandelsketten das Aus für bestimmte literarische Sparten bedeutet, was die Deutschen bevorzugt lesen und ob sie wirklich weder Talent für Krimi noch für Revolutionen haben. Und seufzt im Anschluß an die Lektüre absatzträchtiger Liebesromane, ob nicht, bitte, einmal ein ernstzunehmender darunter sein könnte. – Themen, denen er ganz ohne kulturpessimistische Scheuklappen nachgeht und die er mit Hintersinn und höchst amüsant beleuchtet.
Das ZDF feierte Heinrich Göbel (1818 – 1893) als den eigentlichen Erfinder der elektrischen Glühlampe, in vielen Enzyklopädien ist es nachzulesen, die Post ehrte Göbel noch 2004 mit einer Briefmarke. Seine Geburtsstadt Springe feierte ihn mit Festen, Münzen und monumentalen Denkmalen – und doch ist alles nur Legende. ‚Die Göbel-Legende. Der Kampf um die Erfindung der Glühlampe‘ zeigt, wie die Legende entstanden ist, wie sie sich ausbreiten konnte und welche grotesken Folgen sie hat.
‚Seine Gedichte gehen oft von konkreten Situationen aus, notieren eine lauernd erregte Realität und kommen häufig zu Reflexionen, die sein Schreiben vom Grund der menschlichen Existenz erhält.‘ Joachim Sartorius ‚Sicher ist, dass sich hier ein Autor ganz entschieden in die Tradition einer metaphysisch inspirierten Bewußtseinspoesie stellt.‘ Michael Braun Textprobe: Gewölle // Immer öfter erwache ich von Schritten, / die sich knirschend entfernen. Das sind Teile, / die anderen, für die ich mich hielt, als es nicht / so still war, und die sich auch voneinander trennen // und am Feldrand verschwinden. / Wenig, was allmählich auf den Flächen / der Dämmerung hervortritt, umrissen, detailliert / wie das zerkratzte Gesicht eines Kindes: / Federreste, halb verdaute Knöchelchen, / die eine Handvoll Finger auseinanderzupft.
‚Joseph Roths Flucht und Ende sollte als eines der großen Freundschaftsbücher der deutschen Literatur gelten‘, hieß es in der Frankfurter Rundschau nach Erscheinen des ersten Bandes der Morgenstern-Gesamtausgabe. Vor dem Hintergrund der Europäischen Katastrophen zeichnet Morgenstern ein sehr persönliches Bild seiner Freundschaft zu Joseph Roth. Das Buch setzt um 1909 im damaligen Lemberg ein und endet 1939 mit Roths Begräbnis in Paris. Ihre Freundschaft hatte eine wechselvolle Geschichte. Sie verdüsterte sich in den letzten Jahren durch Roths wachsende Alkoholabhängigkeit, zumal unter den Bedingungen des Exils. Der gemeinsamen letzten Zeit in einem kleinen Hotel im Pariser Exil ist der Hauptteil des Buches gewidmet, das den Zeitgenossen und Freund Joseph Roth in seinem eigentümlichen Charme wie in seiner inneren Zerrissenheit auf bewegende Weise vor Augen stellt.
‚Es sind die Reisen eines Schreibenden, der auch und vor allem in und mit der Sprache unterwegs ist.‘ Oskar Ansull ‚Da hat jemand seine Subjektivität formuliert, aber er hat sie nicht privatisiert. Was er versucht zu schraffieren…, hat immer mit uns zu tun, ist immer Berührung von Welt.‘ Fritz J. Raddatz Textprobe: Der Weg / Zwei Männer auf einem Feldweg vom Berg herunter. Ihre Gesichter in der Abendsonne. Rechts und links ein Blütenschaum von Weißdorn und Schlehen. Unter ihren Füßen knirscht und rutscht Kalksteinbruch. Jeder trägt eine Idee ins Tal, von der er selbst nichts weiß. Auf ihrer Stirn vergeht im Wolkenschatten die Zeit. Eine junge Frau auf dem Fahrrad kommt ihnen von unten entgegen. Sie neigt ihren Kopf mit dem Körpergewicht zur einen, zur anderen Seite. Den blühenden Hecken zu. Als sie näher kommt, treten die Männer an den Wegrand. Wie schön sie ist, denken beide. An ihrer Halskette pendelt ein kleines Kreuz mit jedem Tritt in die Pedale. Ihre braunen Arme glänzen. Stoßweise atmet sie ins Schweigen. Wie jung sie ist, denken beide. …
Herbert Marcuses bahnbrechende Arbeiten für den US Geheimdienst über die Mentalität der Deutschen im NS-Staat. Herbert Marcuse arbeitete von 1942 bis 1951 für den US-amerikanischen Geheimdienst, um aktiv an der Bekämpfung des NS-Systems teilzunehmen. Er fertigte Analysen über die psychische und ideologische Verfassung des autoritären deutschen Kollektivs an. Die Feinde, aus deren Mitte er selbst hervorgegangen war, wollte er begreifen, bekämpfen und, nachdem der Sieg errungen, wieder in die Zivilisation zu integrieren helfen. Marcuse zeigt, wie sich die technologische Rationalität und der Pragmatismus der Deutschen mit ihrem Hang zu mythischer Irrationalität zu einer ›neuen deutschen Mentalität‹ verbinden. Jedes Projekt einer Befreiung und ›Re-education‹ Deutschlands, so lautet Marcuses Fazit, habe diese spezifische Mentalität in ihr Kalkül aufzunehmen. Inhalt: Die neue deutsche Mentalität / Darstellung des Feindes / Staat und Individuum im Nationalsozialismus / Über psychologische Neutralität / Über soziale und politische Aspekte des Nationalsozialismus / Kriegs- und Nachkriegsgeneration / Deutsche Philosophie im zwanzigsten Jahrhundert / 33 Thesen / Ist eine freie Gesellschaft gegenwärtig möglich?
Als leidenschaftlichen Reisenden treibt es Ludwig Harig stets an sagenumwobene, geheimnisvolle Orte. Diesmal setzt er sich auf die Fährte von König Artus und Ritter Lancelot. In den vergangenen vierzig Jahren hat er sich immer wieder an die legendären Stätten ihrer Abenteuer begeben, in der Bretagne die Schauplätze des Mythos aufgespürt. Als seinen ‚Baedeker‘ hat er Robert Wace’ mittelalterliche Artus-Dichtung und Chrétien de Troyes’ Lancelot-Epos im Gepäck. Überraschende Fundstücke aus der Vergangenheit und kuriose Überblendungen mit der Gegenwart bilden den Ausgangspunkt für die eigenwilligen literarischen Exkursionen des großen Fabulierers Ludwig Harig im Zwielicht von Phantasie und Wirklichkeit. Auszüge aus den mittelalterlichen Dichtungen verknüpft er mit eigenen Eindrücken und Erlebnissen zu einem anspielungsreichen poetischen Erzählspiel. Die feinziselierten Zeichnungen des unlängst verstorbenen Hans Dahlem, der seinen Freund Ludwig Harig auf einigen seiner Erkundungsfahrten begleitete, nehmen die zauberischen Elemente der Geschichten stimmungsvoll auf und verführen zum Tagträumen.
Herausgeber und Redaktion verstehen die Zeitschrift erstens als Diskussionsforum für die materiale Anwendung kritischer Theorie auf aktuelle Gegenstände und zweitens als Rahmen für das Gespräch zwischen den verschiedenen methodologischen Auffassungen über die heutige Form kritischer Theorie. Drittens geht es schließlich darum, vereinzelte theoretische Anstrengungen thematisch zu bündeln und kontinuierlich zu präsentieren. Damit beabsichtigen wir, Autoren zu motivieren, sich an jenem Klärungs- und Aufklärungsprozess zu beteiligen, für den das Projekt kritischer Theorie(n) nach wie vor – oder mehr denn je? – steht.
Mittelwärts – Sequenzen/ ICH NAHM mein Kindheitsflüßchen auf den Rücken/ mit Gras im Mund mit toten Fischen/ mein Rücken schmerzte nicht mit Gras/ kein Ruderschlag kein Nachen, ich nahm‘s/ nicht schwer und trug es weit über das Land/ das Land so flach gespreizte Straßenzüge/ die Rippen waren kräftig auch die Schultern/ schmerzten nicht, im Mund die Sprache fremd/ doch sehr klein blieb das Flüßchen wortlos/ in einem großen Land mit Gras im Mund/ es rann und tröpfelte in einer Spur/ in einem großen Land gespreizter Himmel/ ich hatte nie gedacht, daß ich es weitertrüge/ mit Entzücken mit toten Fischen nahm ich/ mein Kindheitsflüßchen flach und sprachlos jetzt/ der Mund der Rücken aufrecht gegen die Sonne/ grüne steile Hänge rundum und trug es weit .’Ursula Krechels Bilder sind oft von einer Schönheit, die in der gegenwärtigen Lyrik ihresgleichen sucht.‘ Alexander von Bormann, Sender Freies Berlin ‚Fesselnder, verstörender, konzentrierter, formstrenger hat sie nie geschrieben…‘ Michael Braun, Stuttgarter Zeitung
f l u n d e r n/ und von der plastiktüte aus dem kühlschrank/ wo sie schon lagen 24 stunden oder auch weniger/ wenn man die öffnet kommt ein hauch den/ kann man seele nennen und sie/ hat die form von weißem rauch/ die küche könnt durchdrungen sein vom pochen wohl der herzchen/ wenn sie zum waschbecken getragen werden/ zuckend das flügelpaar der iris hornhaut die/ kalter ostseeschleim nicht länger mehr bewimpert/ der kiemenschnitt raus kommen schwimmblase und eier stach/ in die afteröffnung brust vorsichtig hier das messer führen/ die stachelige haut mit einem handschuh nur berühren/ die innereien leber galle herz entfernen zurück bleibt/ einzig und allein das augenpaar das immer noch nicht brach/ das sind die nerven zum pochen nicht braucht/ die flunder ihr herzchen sie ist auch ohne wach/ auch zum schlagen nicht der flossen/ auch nicht zum bäumen zum erschrecken/ auch nicht zu einem letzten atemholen: ach ‚In den Gedichten von Sabine Schiffner wird eine romantische Moderne aufgebaut, die im Stocken gehalten wird durch Abgeschliffnes, Abgerissenes, angeschwemmte Sprachflöße, die ineinandergeschoben werden …‘ Basler Zeitung
Der Begriff der Heimat hat eine dunkle Geschichte, die der Erhellung bedarf, und sie hat womöglich mehr Zukunft, als uns lieb ist. Je mehr Heimatlosigkeit die mobile, flexible neoliberale Welt mit sich bringt, desto unausweichlicher wird es, von Heimat zu reden. Heimat ist ein deutsches Wort, das sich nicht umstandslos in andere Sprachen übersetzen läßt. Heim, Haus, Schutz, Seßhaftigkeit schwingen da mit. Heimat ist, wo man zu Hause, geborgen, mit allem vertraut ist. Heimat ist ein Idiom. Es ist schwer belastet mit Geschichte. Deutsche Romantik, deutsche Volkstümelei und deutscher Faschismus haben sich ausgiebig seiner bedient. Unzählige Male ist es mißbraucht und verhunzt worden. Aber sein Mißbrauch raubt ihm keineswegs alle Berechtigung. Im Gegenteil, ihr verantwortungsvoller Gebrauch wird um so dringlicher. Solange das Gefühl, das sich Heimweh nennt, bei kleinen und großen Kindern nicht ausstirbt, gibt es keinen vernünftigen Grund, das Wort Heimat aus der deutschen Sprache zu tilgen.
‚Wir haben zuwenig Kinder und wir werden immer älter. Unsere Zukunft und die unserer Kinder steht auf dem Spiel‘, sagt Horst Köhler. ‚Im Krieg der Generationen sind Sie dabei. Tatsächlich ist unsere Lage unhaltbar geworden‘, sagt Frank Schirrmacher. Nicholas Strange aber fragt: Wird die schrumpfende Zahl von Arbeitsfähigen wirklich unvermeidlich von der dramatisch steigenden Masse alter Leute erdrückt? Zwar ist an der demographischen Entwicklung kein Zweifel möglich. Die Folgen aber stellen dank der vorhandenen Produktivitäts- und Arbeitskraftreserven unserer Wirtschaft kein unvermeidliches Problem dar. Denn bei fünf Millionen Arbeitslosen, durchschnittlich zweiprozentigem Produktivitätsfortschritt pro Jahr und vergleichsweise extrem langen Ausbildungszeiten sind diese Reserven in Deutschland sehr groß. Seine detaillierte Analyse läßt den Autor zu dem Schluß kommen: Im schlimmsten Falle werden wir in 50 Jahren nur doppelt, nicht dreimal so großen Wohlstand genießen können wie heute.
Die wahren Europameister leben in der europäischen Provinz – 25 Fotografen sind in die 25 EU-Mitgliedsländer ausgeschwärmt und geben in ebenso komischen wie charakteristischen Bildreportagen Porträts vom politischen Leben auf dem Lande. Nicht aus der Zentralperspektive der Macht, sondern mit dem mikroskopischen Blick auf Dörfer und Städtchen haben Meisterschüler der Fotografie die einzigartige Vielfalt Europas eingefangen. Die Helden ihrer Reportagen sind Feierabend- und Teilzeitpolitiker: Bürgermeister im Ehrenamt. Liebevolle und warmherzige, schrille und komische Portraits sind so entstanden, die exemplarisch für je ein EU-Land stehen. Kurze Texte ergänzen die Bilder um die nötigen Informationen zu jedem Bürgermeister, seinem Wohnort und seiner Arbeit. So machen die Bildreportagen in Europameister für einen Moment das Gezänk um die Zukunft Europas vergessen.
Es gibt die großen Themen und es gibt die kleinen Themen. Auch wenn von den großen viel prominenter die Rede ist, mit den kleinen Themen – der ersten Yogastunde, dem Verkauf eines Gebrauchtwagens und den vielen gescheiterten Versuchen, den eigenen Ehepartner zu verstehen – bringen die Menschen die meiste Zeit zu. Es gibt die großen Getränke und es gibt die kleinen Getränke, den ‚Grand vin du Château Margaux‘ und die ‚Lüttje Lage‘. Über die großen Getränke wird viel geschrieben, die Lüttje Lage aber, dieses typisch hannöversche Doppelgetränk, wird viel getrunken. Hans-Peter Wiechers‘ charmante und beliebte Glossen aus der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung sind Lüttje Lagen des Geistes. Sie behandeln die unscheinbaren, kleinen Probleme des Alltags mit einem Augenzwinkern, denn: Leben ist schon schwer genug.
Herausgeber und Redaktion verstehen die Zeitschrift erstens als Diskussionsforum für die materiale Anwendung kritischer Theorie auf aktuelle Gegenstände und zweitens als Rahmen für das Gespräch zwischen den verschiedenen methodologischen Auffassungen über die heutige Form kritischer Theorie. Drittens geht es schließlich darum, vereinzelte theoretische Anstrengungen thematisch zu bündeln und kontinuierlich zu präsentieren. Damit beabsichtigen wir, Autoren zu motivieren, sich an jenem Klärungs- und Aufklärungsprozess zu beteiligen, für den das Projekt kritischer Theorie(n) nach wie vor – oder mehr denn je? – steht.
In der Dichtung Christian Saalbergs hallt der Surrealismus nach und wird auf eigenständige Weise weitergeführt. Seine Bilder und Metaphern sind nicht gekünstelt, der Tonfall der Gedichte verzichtet auf hohles Pathos, Konkretes und Abstraktes wird auf überraschende Weise kombiniert. Es komme, was da mag // Ich esse nicht./ Ich trinke nicht./ Ich schlafe nicht./ Ich lebe nicht./ Gebe mich damit zufrieden, bei meinem Rundgang/ durch die Ruinen über Pyramiden zu stolpern/ Und vor einer Sphinx zu verweilen, deren/ wundervoller Leichnam mir das Leben zeigt,/ Das sich in mir verbirgt: / Ein roter Ast, zusammengefallene Schatten/ und unter schlummernden Lidern/ Die Erinnerung an den Tod.
Mit einer poetischen ‚Leichtigkeit des Seins‘ erfreut Jürgen Theobaldy die Lyrikliebhaber. In seinen neuen Gedichten, meist kaum mehr als fünf Zeilen lang, läßt die Meisterschaft dieses Dichters Gefühle und überraschende Einsichten aufleuchten, die klug zusammenklingen und sich einprägen. ‚Dass die Gedichte so unaufgeregt daherkommen, so wunderbar leicht und kunstvoll, ist auch das, was sie auszeichnet – und bleibt Teil ihres Geheimnisses.‘ Neue Zürcher Zeitung Nach Mitternacht zurück // Wer nur wieder hat sie/ brennen lassen, die Lampe/ auf dem Estrich?/ Ach was, der Glanz/ des Mondes ist es/ auf dem Ziegeldach // Im Zug // Wiesen, Grünes überhaupt,/ die Teiche und Bäche glatt, Gehöfte./ Will ich es aufschreiben,/ wird Frankreich endlos.
Am 24. April 2005 jährt sich zum 90. Mal der Beginn des Völkermords an den Armeniern, den Elie Wiesel einen ‚Holocaust vor dem Holocaust‘ nannte. An diesem Tag ließ die jungtürkische Regierung des Osmanischen Reichs die gesamte armenische Elite in der Hauptstadt Konstantinopel verhaften. Gut die Hälfte der etwa 2 Millionen Armenier im Osmanischen Reich fiel Erschießungen und Todesmärschen zum Opfer. Kein fremder Staat war so nah am Geschehen wie das deutsche Kaiserreich, der wichtigste Alliierte der Türkei im Ersten Weltkrieg. Seine Missionare, Lehrer, Offiziere, Konsuln und Botschafter zeichneten die Details des Völkermords nach, einige seiner Offiziere nahmen auch aktiv an der Vernichtung der Armenier teil. Bis heute leugnet die Türkei, der Rechtsnachfolger des Osmanischen Reichs, offiziell den Genozid, noch heute weiß die deutsche Öffentlichkeit nur wenig über diesen unheimlichen Vorgänger der Shoah. Die in Der Völkermord an den Armeniern 1915/16 gesammelten, bis heute weitgehend unpublizierten Dokumente bieten Zündstoff für eine nicht nur im Hinblick auf die EU-Erweiterung äußerst brisante Diskussion – und Lehrmaterial zu der Frage, ob der Holocaust ein Vierteljahrhundert später wirklich so unvorhersehbar war.
Neue Gedichte von Günter Kunert, und ein vertrauter Ton. Der Titel Ohne Botschaft enthält eine paradoxe Geste: als könnte man sich diesen poetischen Texten in Unschuld nähern. Doch die Gedichte führen auf Wahrnehmungs- und Gedankenwegen immer wieder vor den eigenen Spiegel. Dort wird Geschichte und Biografie beleuchtet. Im Zentrum stehen Elegien mit einem verhaltenen Ton. Der klingt nach dem Lesen weiter und läßt sich übersetzen für kommende Tage. ‚In seinen Gedichten sieht er die Welt des Willens von ihren Enden her … Wenn in Kunerts poetischem Kosmos die Erlösung keinen Raum gewinnt … heißt das noch nicht, man könne den Dichter als tiefschwarzen Fatalisten eingeordnet halten … Melancholiker bestimmt, aber nicht so, daß sich daraus eine poetische Depression rezensieren ließe, wie es immer wieder geschieht. … Bei allem Zerstörungswissen … immer hat es Günter Kunert gewußt, das Leben ist schön.‘ Jürgen Verdofsky, Frankfurter Rundschau
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