Die Ökonomisierung erfasst den menschlichen Körper, er wird zur Ware. Am deutlichsten ist das in der modernen Medizin. Sie braucht den Körper als Ressource, ob in der Stammzellforschung oder der Organtransplantation. So wird der menschliche Körper und werden seine Teile zum Handelsgut. Das war der Körper im historischen Umbruch zur Moderne schon einmal: Der ganz Europa erfassende Reliquienhandel machte menschliche Körperteile zum begehrtesten Handelsgut – und zum Heilsgut. Mit dieser Vorgeschichte wird auf einen Schlag sichtbar, dass der Griff nach dem menschlichen Körper keine ökonomische Landnahme ist: Waren-Gesellschaft und moderne Medizin verbindet mehr, als sie an ihrer Oberfläche zu erkennen geben. Der für die Psychoanalyse Freuds und für die Theorie Marx’ so zentrale Begriff des Fetischismus wirft ein Licht auf den »theologischen Glutkern« (Adorno) von kapitalistischem Markt und moderner Medizin. Die »untergründige Geschichte des Körpers« (Horkheimer/Adorno) ist an zentraler Position in einer Dialektik der Aufklärung.
Den Schriftsteller Martin Mosebach und den Maler Peter Schermuly (1927–2007) verband über 35 Jahre eine enge, fast symbiotisch zu nennende Freundschaft. Der um eine Generation ältere, gelehrte, geistig und künstlerisch enorm produktive, mit den eigenen Ressourcen verschwenderisch verfahrende Maler hatte entscheidenden Anteil an der Entwicklung des damaligen Studenten der Jurisprudenz zum Schriftsteller. Schermulys künstlerische Laufbahn verlief eigenwillig. Nachdem er die Ausdrucksmöglichkeiten der abstrakten Kunst für sich erschöpft sah, wandte er sich der figürlichen Malerei zu, ohne jedoch zum Renegaten zu werden: Auch als figürlicher Maler hat er die in seiner abstrakten Phase gewonnenen Fertigkeiten, speziell im Umgang mit Farbe, verarbeitet und weiterentwickelt. Ebenso wenig kannte er abgeschlossene Kunstepochen, vielmehr trat er beständig in Interaktion mit der Kunst vergangener Jahrhunderte, entdeckte mit unverstelltem Blick Neues, Überraschendes, wo alles schon gesagt schien. Über die Jahre hat Peter Schermuly Martin Mosebach immer wieder gemalt, es entstanden Studien, aber auch fertige Bilder. Bei diesen Ateliersitzungen war das Gespräch über Malerei untrenntbar mit der künstlerischen Praxis verwoben. ‚Das Rot des Apfels‘ erzählt von diesen intensiven und hochgestimmten Modell-Sessionen, enthüllt die Korrespondenzen im jeweiligen künstlerischen Schaffen der Freunde, eröffnet den Lesern einen wahren Bilderkosmos. Als sicherlich persönlichstes Buch des Büchner-Preisträgers Martin Mosebach zieht es den Leser in einen fulminanten Austausch über das Malen und die Malerei hinein.
Nach einer Schießerei mit Polizisten wurde Christof Wackernagel 1977 als Mitglied der RAF verhaftet und für zehn Jahre inhaftiert. In dieser Zeit söhnte er sich mit dem von ihm verletzten Polizisten aus und distanzierte sich in einem schmerzhaften Prozess vom bewaffneten Kampf. Wackernagel drohte irre zu werden an der Erkenntnis, dass die Gründe, die ihn hatten zur Waffe greifen lassen, fort existierten und das letzte Mittel, eben der bewaffnete Kampf im Untergrund, ihn genau zu dem machte, wogegen er kämpfte. Um sich nicht das Leben zu nehmen, wurde er zu einem ‚Terroristen‘ der Worte und schrieb die Geschichte seiner Generation. Nur in einer besonderen literarischen Form sah Wackernagel die Möglichkeit, die Widersprüche, die ihn zu zerreißen drohten, angemessen auszudrucken. Dieselben Geschehnisse werden in den drei verschiedenen Aggregatzuständen des Traumes dargestellt: Traum, Halluzination und Tagtraum. Jeder ist in einer eigenen Spalte gesetzt, deren Absätze gleich lang sind und sich aufeinander beziehen. Die erste Spalte, die Basis des ganzen Buches, bilden Wackernagels Träume von 1979 bis 1994, die er schonungslos offen protokolliert hat. In der zweiten und dritten Spalte wird das Traummaterial in Halluzinationen und Tagträume verwandelt. Frei erfunden zwar, aber nach den Gesetzen des Traumes komponiert: verdichtet, verschoben und vertauscht.
Seit der Aufklärung gehört die Kritik am Christentum zum intellektuellen Tagesgeschäft. Einer ähnlich schonungslosen Sicht auf den Islam wird hierzulande jedoch gern die Legitimation abgesprochen. Besonders seit 9/11 werden Politiker und Kolumnisten nicht müde, die grundlegende Friedfertigkeit und Toleranzbereitschaft des Islam zu beschwören. Und sie können sich dabei auf historische Vorbilder berufen, denn schon vor mehr als zweihundert Jahren schwärmten deutsche Dichter und Denker von einem vergangenen Goldenen Zeitalter muslimischer Herrschaft, unter der Christen, Juden und Muslime, einträchtig zusammenlebend, die Gipfel von Kunst und Wissenschaft erstürmten. Siegfried Kohlhammer stellt in seinen Essays unangenehme Fragen: Was motiviert die weitgehende Indifferenz gegenüber den Menschenrechtsverletzungen, die im Namen des Islam begangen werden? Weshalb misslingt insbesondere muslimischen Einwanderern die Integration selbst in der zweiten und dritten Generation – und dies, obwohl Migranten nie zuvor in der Geschichte einen ähnlich hohen Grad an Unterstützung erfahren haben? Weil sie unter westlichen Hegemonialansprüchen und Islamophobie zu leiden haben? Indem Siegfried Kohlhammer nüchtern die Legenden von den Fakten scheidet und sich gängigen Tendenzen zur Polarisierung verweigert, beseitigt er einen blinden Fleck im Auge der Aufklärung.
Die Grundbegriffe der Moral bilden wechselnde Konstellationen, in denen sich ihr Gewicht und ihre Bedeutung verändern. Ideen wie Glück und Gerechtigkeit, Mitleid und Würde, Verantwortung und Freiheit durchziehen die Geschichte der Ethik und sind doch in wechselnde gesellschaft liche Verhältnisse eingespannt. Was geschieht mit ihnen unter den Bedingungen der kapitalistischen Modernisierung, die in einem immer dichter werdenden Netz den Globus umspannt? Welche Hilfen bietet die Philosophiegeschichte, um eine moralische Unabhängigkeit zu wahren?
In Die großen Prozesse der Bundesrepublik Deutschland sind die wichtigsten Gerichtsreportagen von Gerhard Mauz aus annähernd 50 Jahren deutscher Rechtsgeschichte versammelt. Es ist das Lesebuch zur Entwicklung von Rechtsgefühl und Rechtspraxis der Bundesrepublik Deutschland
Der kritische Theologe Gerd Lüdemann hat wegweisende Forschungsergebnisse über das Neue Testament vorgelegt. Sein neues Buch nun ist nicht der Forschung gewidmet. Die kurzen, gut zugänglichen Interventionen in ‚Wer war Jesus?‘ behandeln Themen von der Ausbildung des biblischen Monotheismus bis hin zum Verhältnis von Glaube und Wissen. Dabei fügen sich die Texte wie einzelne Mosaiksteine zu einem Gesamtbild der ältesten Kirche zusammen. Alle Texte kreisen um die Frage nach dem historischen Jesus. Angesichts der kirchlichen Verfälschung des Jesusbildes hat diese Frage politische Implikationen, denn die Kirchen gründen ihre Machtansprüche bis heute auf einen mythischen Jesus, der mit dem historischen Jesus nichts zu tun hat.
Zwischen 1774 und 1777 kommen Graf Wilhelm, seine junge Gemahlin und ihre kleine Tochter in Schaumburg-Lippe zu Tode. Hat ihr Tod wirklich natürliche Ursachen? Immerhin gibt es mächtige Interessen,Schaumburg-Lippe und den als unbezwingbar gebauten Wilhelmstein in die Hand zu bekommen. Soll das gräfliche Geschlecht ausgelöscht werden? Ein rohes Grab tief im Wilhelmstein bietet dafür einen grausigen Hinweis.
Herausgeber und Redaktion verstehen die Zeitschrift erstens als Diskussionsforum für die materiale Anwendung kritischer Theorie auf aktuelle Gegenstände und zweitens als Rahmen für das Gespräch zwischen den verschiedenen methodologischen Auffassungen über die heutige Form kritischer Theorie. Drittens geht es schließlich darum, vereinzelte theoretische Anstrengungen thematisch zu bündeln und kontinuierlich zu präsentieren. Damit beabsichtigen wir, Autoren zu motivieren, sich an jenem Klärungs- und Aufklärungsprozess zu beteiligen, für den das Projekt kritischer Theorie(n) nach wie vor – oder mehr denn je? – steht.
Niemand kennt die Tiere des Wisentgeheges Springe besser als Thomas Hennig. Seit Jahren geht der Gehegeleiter und Fotograf dort zu allen Tages- und Jahreszeiten auf Motivpirsch. Dabei sind Aufnahmen entstanden, die durch ihre Natürlichkeit, Spontaneität und Intimität beeindrucken.
Niemand kennt die Tiere des Wisentgeheges Springe besser als Thomas Hennig. Seit Jahren geht der Gehegeleiter und Fotograf dort zu allen Tages- und Jahreszeiten auf Motivpirsch. Dabei sind Aufnahmen entstanden, die durch ihre Natürlichkeit, Spontaneität und Intimität beeindrucken.
Niemand kennt die Tiere des Wisentgeheges Springe besser als Thomas Hennig. Seit Jahren geht der Gehegeleiter und Fotograf dort zu allen Tages- und Jahreszeiten auf Motivpirsch. Dabei sind Aufnahmen entstanden, die durch ihre Natürlichkeit, Spontaneität und Intimität beeindrucken.
Niemand kennt die Tiere des Wisentgeheges Springe besser als Thomas Hennig. Seit Jahren geht der Gehegeleiter und Fotograf dort zu allen Tages- und Jahreszeiten auf Motivpirsch. Dabei sind Aufnahmen entstanden, die durch ihre Natürlichkeit, Spontaneität und Intimität beeindrucken.
Die Kundschaft eines Taxifahrers kommt aus allen Bevölkerungsschichten. Vom Promi bis zum Sozialhilfeempfänger, vom Manager bis zum Studenten: Alle lassen sich gelegentlich chauffieren. Der Taxifahrer erlebt dabei eine Achterbahnfahrt durch die Höhen und Tiefen unserer Gesellschaft. Einer Fahrt, bei der er aus dem Lachen nicht mehr herauskommt, kann eine Auseinandersetzung mit einem aggressiven Alkoholiker folgen, der nicht bezahlen will. Unzählige amüsante, verrückte, aufregende und manchmal auch gefährliche Erlebnisse geistern meistens nur in den Erinnerungen der Taxifahrer herum. Thorsten Amrhein hat seine Erlebnisse hinter dem Lenkrad in und um Hannover aufgeschrieben. So können sich nun auch nicht Eingeweihte die Welt der Taxifahrer erschließen.
Niemand kennt die Tiere des Wisentgeheges Springe besser als Thomas Hennig. Seit Jahren geht der Gehegeleiter und Fotograf dort zu allen Tages- und Jahreszeiten auf Motivpirsch. Dabei sind Aufnahmen entstanden, die durch ihre Natürlichkeit, Spontaneität und Intimität beeindrucken.
Der Gymnasiallehrer Mathias Mahnke wird für den Mord an seiner Schülerin Annika zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Als Mahnke nach 17 Jahren aus dem Gefängnis entlassen wird, setzt er alles daran, seine Unschuld zu beweisen – vor allem mit Blick auf seinen Sohn Sören. Mit Hilfe einer Journalistin müht sich der frühere Lehrer, Licht in den mysteriösen Mordfall in einem Moorgebiet in der Lüneburger Heide zu bringen. Wer tötete Annika? Was geschah am Ufer des Grundlosen Sees? Was verschweigen Annikas frühere Mitschüler? Die Ermittlungen wühlen die Kleinstadt Walsrode auf und ziehen weitere Verbrechen nach sich. Der Mord an Annika verfolgt die Beteiligten von der beschaulichen Löns-Landschaft in der Heide bis zum Timmendorfer Strand.
Eine unscheinbar wirkende Eintragung Goethes in das Stammbuch eines Jugendfreundes bietet willkommenen Anlass, über das Weltbild der Goethezeit zu spekulieren, die Tagebuchnotiz eines seiner Zeitgenossen den Ausgangspunkt für vergnügliche Ausflüge in die Mentalitätsgeschichte. Ausgedehnte Streifzüge durch Antiquariate fördern bibliophile Kostbarkeiten zutage, die an sich schon bemerkenswert wären, doch bei genauerem Hinsehen weitere Fundstücke bergen: eine Widmung, ein Exlibris etwa, die den heutigen Besitzer in Zwiesprache mit dem ursprünglichen Eigentümer und dessen Zeit treten lassen. Mosaikartig entstehen aus Einzelzügen literarische Porträts. Johannes Saltzwedels Essays sind wie geschaffen, G. K. Chestertons These zu belegen, das Teleskop mache die Welt kleiner, das Mikroskop hingegen größer. Denn er nimmt die kleinen, scheinbar nebensächlichen Dinge in den Blick und lebt in einer großen Welt der histo rischen und kulturellen Bezüglichkeiten, die er seinen Lesern in diesem Band anregend und unterhaltsam vermittelt.
Im Neuen Testament gibt es sieben echte und sechs unechte Paulusbriefe, ferner gefälschte Schreiben verschiedener Apostel, die alle als Wort Gottes gelten. Die sechs unechten Paulusbriefe haben Schüler des Paulus nach dem Tod ihres Lehrers unter falschem Namen erfunden. Der zweite Brief an die Thessalonicher ist die gröbste Fälschung des Neuen Testaments. Sein Verfasser veröffentlichte nicht nur einen Paulusbrief unter falschem Namen, sondern wollte mit seiner Fälschung auch noch einen echten Paulusbrief ersetzen, indem er diesen kurzerhand als Erfindung deklarierte. Gerd Lüdemann übersetzt und erklärt den Text und fragt nach den Motiven des Autors, der um die Unwahrheit seiner Angaben gewusst haben muss. Dabei berührt er die Frage, wie frühe Christen zu Fälschern werden konnten, obwohl sie ein leidenschaftliches Wahrheitspathos vertraten und obwohl es in der Antike Echtheitskritik und ein klares Bewusstsein für geistiges Eigentum gab.
Am 1. September 2009 wurde Horst Callies 75 Jahre alt. Das war für die Geschäftsführung des Historischen Seminars der Leibniz Universität Hannover Anlass genug, ein Festcolloquium zu seinen Ehren zu veranstalten. Es lag nahe, Horst Callies in der Breite seines Wirkens zu ehren: als Hochschulpolitiker, als Althistoriker und als in der Heimat tätiger Mensch. Der Ort und die Welt dokumentiert dieses Colloquium.
Vera Matuschek ist spurlos verschwunden. Ihr Mann, ein Kriminalkommissar im Ruhestand, ist vor zwei Jahren auf mysteriöse Art ums Leben gekommen. Kommissar Marder aus Stade, der diesen Fall untersucht hatte, kommt wieder an den Deister, um zu ermitteln. Es scheint, als habe die eigenwillige Vermisste nur wenig Freunde – dafür umso mehr Feinde. Alle wissen offensichtlich etwas, aber niemand will bei der Suche nach ihr helfen. Erst als Marder die Aussagen dieser Menschen wie Puzzle-Teile miteinander verbindet, hat er eine Vorstellung, wie er die Suche nach Vera angehen muss. Dazu muss er allerdings über den Deister gehen.
Inhalt: Vorbemerkung der Redaktion ABHANDLUNGEN Edgar Forster: Urgeschichte schreiben Fluchtlinien einer kritischen Gesellschaftstheorie Marc Kleine: ‚Herr Doktor, das ist schön von Euch‘ Adornos Zäsur Márcio Seligmann-Silva: Adorno, die Katastrophenlandschaft des 20. Jahrhunderts und die Ästhetik nach der ‚Entfesselung des Elementarischen‘ Prolegomena zu einer Post-Ästhetik Hendrik Wallat: Die letzte Versuchung Nietzsche(s) Die Aporien der tragischen Aufklärung Karin Wilhelm: Die Protestbewegung und die Folgen für die Architektur. Zur politischen Symbolik von Architektur EINLASSUNGEN Moshe Zuckermann: Die Persistenz von Ideologie Anmerkungen zu Wagner, Israel und den Wonnen der Ignoranz Heinz Steinert: Unterhaltung, Werbung, Propaganda: Elemente einer Kritischen Theorie der Medien Markus Brunner / Andreas Jahn-Sudmann: Kritik der Kulturindustrie Aktualisierungen im Anschluss an Adorno und Althusser Tim Raupach: Vom Tauschverkehr zwischen Zeichen und Waren – oder: Kulturindustrie im Zeitalter immaterieller Arbeit Thema ‚Ökonomie und Krise‘ Robert Kurz: Der Dunkelraum der Krisentheorie. Warum das ökonomische Denken zu versagen beginnt Joachim Hirsch: Weltwirtschaftskrise 2.0 oder der Zusammenbruch des neoliberalen Finanzkapitalismus Marcus Hawel / Gregor Kritidis: Wirtschaftsuntertan und Staatsbürger Demokratie als entwicklungsoffenes Prinzip Tatjana Freytag: Krise, Lebensnerv des Kapitalismus José A. Zamora: Die Krise ist nicht das Problem, es ist der Kapitalismus BESPRECHUNGEN Thorsten Benkel: Der Siegeszug des Visuellen und die (Ent-)Modernisierung. Über aktuelle Trends in der Soziologie Gunzelin Schmid Noerr: Zur Funktion politisch bekundeter Moral Ethische und psychoanalytische Studien zu Person und Wirkung George W. Bushs Neuerscheinungen 2008 Autorinnen und Autoren
Alban Berg war Morgensterns engster Freund. Die Erinnerungen, gruppiert um das Verhältnis des Freundes zu seinen fünf „Hausgöttern“, Peter Altenberg, Gustav Mahler, Arnold Schoenberg, Adolf Loos und Karl Kraus, zeichnen ein sehr persönliches Bild dieses ungewöhnlichen Menschen, freilich keineswegs ein Heiligenbild.
Die früheste Zeit der christlichen Kirche läge im Dunkel der Geschichte – gäbe es da nicht die kanonische Apostelgeschichte des Lukas. Sie gilt als die einzige Quelle über die Frühzeit der Kirche und hat schon deshalb eine ungeheure Wirkung entfaltet. Nicht zuletzt sind ihre Daten zu Jesu Auferstehung und Himmelfahrt sowie zur Ausgießung des heiligen Geistes an Pfingsten Grundlage unseres Kalenders geworden. Doch Lukas gilt nicht nur als einzige Quelle, sein Bild von der idealen apostolischen Gemeinde in Jerusalem wird auch vielfach als geschichtlich zuverlässig ausgegeben, und das bis heute. Gerd Lüdemann zeigt, dass beides nicht stimmt. Erst unterzieht er die lukanische Darstellung einer scharfen Kritik und entlarvt sie als freie Erfindung des Autors. Anschließend rekonstruiert er die ersten drei Jahre des Christentums auf der Grundlage der zweiten Quelle zur Frühzeit der Kirche, der Paulusbriefe, neu. Als Resultat vermag Lüdemann zu zeigen, dass es am Anfang der Kirche zeitgleich eine christliche Gemeinde in Damaskus und eine in Jerusalem gab, deren Glaube und Praxis sich stark voneinander unterschieden. „Akribisch hat der Neutestamentler und Historiker Gerd Lüdemann versucht, die ersten drei Jahre nach Jesu Tod bis etwa zur Bekehrung des Paulus zu erhellen.“Norbert Copray in: Publik-Forum Nr. 8, April 2013
Als die Osteuropäer nach dem Zusammenbruch des Kommunismus in die Europäische Gemeinschaft aufgenommen werden wollten, waren ihre westlichen Nachbarn nicht wirklich begeistert. Nachdem nun auch noch die Türken behaupten, sie gehörten mit dazu, suchen sogar Ungläubige nach Europas christlichen Wurzeln. Zudem hat Europas Wirtschaftsunion Gegenwind bekommen: von den asiatischen Tigerstaaten mit ihren imposanten Wachstumsraten. Ein souveränes Machtzentrum können die vereinigten europäischen Staaten bis heute nicht vorweisen. Kein Vergleich mit der transatlantischen Bruder- und Supermacht im Westen. Doch dies, so belegen Otto Kallscheuers Essays zu den kulturellen und religiösen Traditionen des Abendlandes, muss kein Standortnachteil sein. Pluralismus und Multilateralismus sind schließlich Tugenden, die wir im neuen Jahrtausend noch brauchen werden. Nicht nur in Europa.
Die Festung Wilhelmstein im Steinhuder Meer: Eine überlegene Armee hat sie verzweifelt zu bezwingen versucht und ist doch schließlich gescheitert! Wir schreiben das Jahr 1787. Der Landgraf von Hessen-Kassel hat das Schaumburger Land überfallen und unterworfen. Nur noch der alte und erfahrene Festungskommandant Major Rottmann bietet dem Landgrafen die Stirn und verteidigt mit seiner kleinen Besatzung eisern den Wilhelmstein. Bis die Angreifer aufgeben müssen. Fast drei Jahre, nachdem sich die Hessen zurückgezogen haben, wird die Leiche des tapferen Rottmann aus dem Steinhuder Meer gezogen. War es Mord? Was haben Neuankömmlinge und heimliche, nächtliche Eindringlinge auf der Festung mit seinem Tod zu tun? Ist der Karrieresprung von Rottmanns Nachfolger als Kommandant nicht ein zwingendes Motiv? Bodo Dringenbergs Kriminalroman über den Mord auf dem Wilhelmstein hält sich eng an die historischen Fakten – denn bekanntlich ist die Spannung dort am größten, wo der Wahrheit die Ehre gegeben wird.
Herausgeber und Redaktion verstehen die Zeitschrift erstens als Diskussionsforum für die materiale Anwendung kritischer Theorie auf aktuelle Gegenstände und zweitens als Rahmen für das Gespräch zwischen den verschiedenen methodologischen Auffassungen über die heutige Form kritischer Theorie. Drittens geht es schließlich darum, vereinzelte theoretische Anstrengungen thematisch zu bündeln und kontinuierlich zu präsentieren. Damit beabsichtigen wir, Autoren zu motivieren, sich an jenem Klärungs- und Aufklärungsprozess zu beteiligen, für den das Projekt kritischer Theorie(n) nach wie vor – oder mehr denn je? – steht.
Die Geburt Jesu durch die Jungfrau Maria ist eine dogmatische Grundfeste der christlichen Kirchen. Zwar ist diese Feste, besonders in protestantischen Kreisen, längst aufgeweicht. Aber ohne die Annahme einer unbefleckten Empfängnis lässt sich der Glaube an Jesus als dem Sohn Gottes nicht aufrechterhalten. In ‚Jungfrauengeburt‘ untersucht der bedeutende Bibelforscher Gerd Lüdemann alle Hinweise in den Schriften der ältesten Kirche und in den konkurrierenden jüdischen Quellen. Er erhellt die Aussageabsichten der biblischen Quellen und behandelt die Frage, was im Zusammenhang mit der Geburt Jesu geschah. Das Bild von der Geburt der zentralen Person des christlichen Glaubens wird durch Lüdemanns Arbeit scharf korrigiert. Eine aufrichtige Diskussion der theologischen Zusammenhänge und ihrer gesellschaftlichen Auswirkungen ist ohne seine Arbeit nicht denkbar.
Eins, zwei, drei! Im Sauseschritt … soll die Zeit ruhig laufen, hpw läuft nicht mit. Der Autor geht sein eigenes Tempo und will nicht schneller sein als … eine Rolltreppe vielleicht. Nur wer so sachte durch den Tag flaniert, kann Gedanken aufsammeln, den Menschen beim Leben zuschauen und daraus hintersinnige Geschichten machen. Im zweiten Glossenbuch des HAZ-Redakteurs erfährt man auch ein paar neue Dinge aus seinem Privatleben. Zum Beispiel, wie es kam, dass hpw kein berühmter Schauspieler wurde.
Rangun im Herbst 2007: In den Straßen der birmesischen Hauptstadt macht das Militär Jagd auf Demonstranten, die gegen die Militärmachthaber aufbegehren. Marko Martin gehört zu der Handvoll westlicher Reporter, die undercover von den Unruhen berichten. Mehrmals entkommt er nur knapp der Verhaftung, wird Zeuge der allgegenwärtigen Überwachung, macht Bekanntschaft mit Dissidenten und erlebt das wachsende Unbehagen eines unterdrückten Volkes. Der Autor, in der DDR aufgewachsen und mit den Mechanismen totalitärer Regime vertraut, widmet sich in seinen Reportagen den Freiräumen, die sich selbst in Diktaturen bieten. Ganz gleich, ob sich der Freiheitsdrang in hedonistischer Weise, wie bei den Vertretern der Teheraner jeunesse dorée, in aktivem Aufbegehren bei den politischen Aktivisten in Hongkong oder nur in Gesten und Blicken im kambodschanischen Angkor äußert – mit großem Einfühlungsvermögen, jedoch ohne Tremolo schildert Marko Martin ‚Sonderzonen‘ der Rebellion und Subversion in einer Region, die zwischen Wirtschaftswachstum und Repression changiert.
‚Lufthunde‘: In Kafkas ‚Forschungen eines Hundes‘ sind das die rätselhaften Wesen, die, je für sich und geschieden von den anderen ihres Geschlechts, hoch oben durch die Lüfte treiben und ihrer Tätigkeit nachgehen. Was sie genau tun, ist schwer festzustellen, aber jeder kann ihnen zusehen, wie sie im Äther segeln. ‚Lufthunde‘ heißt dieses Buch, weil es die Geschichte der deutschen literarischen Moderne in einer Reihe von Einzelporträts erzählt. Wichtiger als ihr Zusammenhang und wichtiger auch als das einzelne Werk ist die Gestalt des Autors, wie sie aus seinen Schriften hervortritt. Den Anfang macht Kafka mit seinen Tierparabeln; und es folgen so verschiedene Temperamente wie Musil, Rilke, Morgenstern, Gottfried Benn, auch Wilhelm Busch, unter den Frauen Irmgard Keun und Gertrud Kolmar. ‚Nein, wirklich, wir haben es mit einem großen Autor zu tun‘, schrieb Michael Maar in der FAZ und bescheinigte dem Autor bei dessen letztem Buch, dass er sich nunmehr ‚endgültig in der Thronreihe der deutschsprachigen Essayisten niederlassen kann‘.
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