Der verlorenen ostgalizischen Heimat ist eine Reihe oft kurzer, vignettenartiger Prosastücke gewidmet, worin Morgenstern die Erinnerungsbilder seiner Kindheits- und Jugendjahre zwischen 1890 und 1914 bewahrt hat.
Seinen Bericht aus der Zeit des Exils: von der Internierung in mehreren französischen Lagern während des Zweiten Weltkriegs und der riskanten Flucht über Marseille nach Casablanca, schrieb Soma Morgenstern in den USA, vermutlich ab Mitte der fünfziger Jahre. Wohl redet Morgenstern in diesem Romanbericht mit der Stimme einer fiktiven Erzählerfigur, gibt auch den damaligen Mitgefangenen geänderte Namen, im wesentlichen aber hält er sich ans reale Geschehen. Das erzählende Ich des Buches, der aus der Ukraine stammende „arische“ Schriftsteller Petrykowsky, spricht in einundvierzig Kapiteln von dem Weg, auf dem es ihn schließlich ins Lager von Audierne, einem Fischerdorf im bretonischen Finistère, verschlägt. Nach der Übernahme des Lagers durch die deutsche Wehrmacht im Juni 1940 und vor der drohenden Ankunft der Gestapo flüchtet er gemeinsam mit zwei Mitgefangenen, und es gelingt ihm, in wochenlanger Wanderung sich zum unbesetzten Südteil Frankreichs durchzuschlagen. So genau Morgenstern die Lebensbedingungen dieses elendsten Abschnitts der Exilzeit notiert, sein zwischen Anteilnahme, Ironie und Sarkasmus wechselnder Bericht gilt doch vor allem den Ängsten und Hoffnungen, der Resignation und der Umsicht, den Illusionen und den Versuchungen derer, die gleich ihm solchen Verhältnissen unterworfen waren. Darum auch ist seine Erzählung von Dialogen allerart bestimmt, von all den Gesprächen, Unterredungen, Debatten der Rat suchenden Exilierten. So bietet sein Buch, das hier erstmals veröffentlicht wird, nicht nur ein rares Dokument zum Internierungslager von Audierne, es zeichnet auch ein facettenreiches inneres Porträt einer Hauptfigur des Jahrhunderts, des Menschen auf der Flucht vor Gewalt.
Aus einer jahrelangen Lebens- und Schaffenskrise heraus, ausgelöst durch die Nachrichten über den Genozid an der europäischen Judenheit, begann Soma Morgenstern 1946 in New York, immer wieder neu ansetzend und immer wieder stockend, sein Totenbuch für die Opfer des Völkermordes zu schreiben. Mit der >Blutsäuleheiliger SpracheFunken im Abgrund<. Es zählt zu den bedeutenden Werken jüdischer Literatur, in denen sich die Erfahrung der Katastrophe artikuliert hat. Abraham J. Heschel nannte das Buch den "einzigen Midrasch über den Holocaust". "Die Kraft des Buches aber liegt, über die Summe seiner einzelnen Qualitäten hinaus, in etwas nicht Analysierbarem, das uns eine Ahnung davon gibt, was jener furchtbare Abschnitt der menschlichen Geschichte bedeutet, etwas, das hundert geradlinige Berichte nicht vermitteln können." (Maurice Samuel, The New York Times Book Review)
Der zehnte Band der Soma Morgenstern-Edition bringt zunächst die beiden frühesten Texte Morgensterns, seinen in den zwanziger Jahren entstandenen Dramen. Das erste, „ER oder ER“, konfrontiert die mythische Gestalt Don Juan Tenorio mit dem historischen Casanova. Das Drama „Im Dunstkreis“ umkreist die sozialen Bedingungen künstlerischer Produktion in der Moderne und spielt unter den Matadoren eines Wiener Literaten- und Künstlercafés. Beide Dramen sind bisher unveröffentlicht und niemals aufgeführt worden. Morgensterns Feuilletons umfassen alle die Texte, die primär literarisch motiviert sind. Er schrieb sie zwischen 1927 und Ende 1933 für die „Frankfurter Zeitung“, deren Wiener Kulturkorrespondent er bis April 1934 war. Die Fragmente aus dem Nachlaß enthalten neben Skizzen zu einem dritten, nicht ausgeführten Drama mit dem Titel „Imago“ alle erhaltenen Entwürfe zum Mechzio-Roman, mit dem Morgenstern zu Beginn der vierziger Jahre seine Trilogie zu erweitern gedachte.
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