zu Klampen! Verlag

Weltausstellung Prinzenstraße Spezial: Borders and Beyond

Grenzbilder entlang der Balkanroute – Wolf Böwig und Sigmar Walbrecht (Niedersächsicher Flüchtlingsrat) im Gespräch mit Habbo Knoch (Universität Köln) Das Schauspielhaus Hannover eröffnet eine Ausstellung mit Bildern des bei zu Klampen erschienenen Autors Wolf Böwig: Von der griechisch-mazedonischen Grenze über den Balkan bis nach Österreich treiben die Kriege der Welt die Flüchtenden vor sich her. Auf dem Weg begegnen sie jenen, die in der 90er Jahren durch die Hölle gingen: Identität und Spurensuche auf dem Balkan. Seit 30 Jahren bereist der in Hannover lebende Dokumentarfotograf Wolf Böwig mit seiner Kamera die Krisengebiete dieser Welt. Im Herbst 2015 hat er die Balkanroute erkundet, auf der noch immer zahllose Flüchtende den Weg in die Mitte Europas suchen. Die Bilder collagierte er mit Notizen und Skizzen aus seinen Tagebüchern zu der Serie »borders and beyond«. Im Rahmen der Matinee eröffnen wir eine Ausstellung von Böwigs Bildern. Sein Werk wird im Oktober 2016 mit dem Kulturpreis der Evangelischen Landeskirche ausgezeichnet. Karten 11/8 € unter Tel. 0511 9999 1111, an der Theaterkasse und http://www.schauspielhannover.de Freier Eintritt für Staatstheater-Abonnenten

Wolf Böwig, Jahrgang 1964, ist seit 1988 Fotograf. Er hat in Osttimor, Burma, Indien, Bangladesh, Sri Lanka, Pakistan, Afghanistan, Tadjikistan, Uzbekistan, Turkmenistan, Äthiopien, Somalia, Ruanda, DR Congo, Guinea Bissau, Sierra Leone, der Elfenbeinküste, Namibia, Südafrika, Cuba und auf dem Balkan für führende europäische Magazine und Zeitungen gearbeitet. Seine Reportagen wurden vielfach ausgezeichnet. Wolf Böwig arbeitet an zwei Langzeitprojekten in Afrika und Asien. Bei zu Klampen veröffentlichte er »KRIEG, grenzenloser Krieg« (2011).

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Für das Recht auf ein analoges Leben

Digitalisierung ist allgegenwärtig. Niemand kann sich ihr entziehen, kaum jemand will es. Zu groß sind die Effizienzgewinne, zu praktisch sind digitale Kommunikation und Informationsbeschaffung, zu viel Spaß macht es, sich mit Videoclips zu unterhalten. Doch die Kosten der Digitalisierung sind hoch. Die Autonomie, die sie versprach, erweist sich zunehmend als Schimäre. Wie keine andere Technologie durchdringt sie Beruf, Freizeit, Konsum und Kommunikation. Wir kaufen digital, arbeiten digital und verlieben uns digital. Der Homo scrollens ist zur Leitfigur unserer Zeit geworden: gebeugter Oberkörper, starrer Blick, nervös zuckender Daumen – ein digitaler Schlafwandler im öffentlichen Raum. Weil eine alternativlose Digitalisierung sich unversehens in das Gegenteil von Freiheit zu verwandeln droht, plädiert Alexander Grau für das Recht auf ein analoges Leben. Nur wenn der Einzelne nicht genötigt ist, für jede Lebensäußerung digitale Endgeräte oder Netzwerkzugänge zu benutzen, kann diese Technologie einen Zugewinn an Freiheit bieten.

Böse Wörter
Der Kulturkampf um die Sprache und seine Irrtümer

Der Kampf für den »sensiblen« Gebrauch unserer Sprache treibt immer weitere Blüten. Angeblich böse Wörter dürfen nicht mehr ausgesprochen, Kinderbücher müssen sprachlich gereinigt, wissenschaftliche Texte durch kryptische Sprachzeichen entstellt werden. Warum? Weil die Nutzer dieser Wörter sich sonst angeblich zu Mittätern bei der Unterdrückung gesellschaftlicher Minderheiten machen. Mathias Brodkorb hat die vielfältigen Verwendungsweisen »böser« Wörter wie »Indianer«, »Neger« oder »Zigeuner« untersucht. Dabei stellt sich heraus, dass das bloße Aussprechen dieser Wörter noch nichts über die Absichten der Sprecher verrät. Denn wer vom »N-Wort« spricht, muss zugleich immer an das Wort »Neger« denken, um es zu übersetzen. Macht sich der Sprachkritiker damit nicht selbst Tag für Tag schuldig? In teilweise höchst amüsanten Geschichten beleuchtet Brodkorb die »bösen« Wörter und ihre realen Gegenstände. Dabei kommt er zu dem Schluss, dass menschliche Kommunikation nur gelingt, wenn wir den Aussagen unserer Gesprächspartner zunächst wohlwollend begegnen. Mit ein wenig mehr Gelassenheit könnte an die Stelle von Konfrontation gelungene Verständigung treten.

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Veranstaltungsort

Foyer Schauspielhaus