zu Klampen! Verlag

Stephan Krass liest im Palais Bellevue aus »Radiozeiten«

Am Dienstag, dem 26. September, liest Stephan Krass im Kasseler Palais Bellevue aus seinem Buch »Radiozeiten« anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums des Rundfunks im Oktober 2023. Der Eintritt zur Veranstaltung kostet 10,00 Euro (ermäßigt 5,00 Euro). Weitere Informationen werden vom Veranstalter bekanntgegeben.

Stephan Krass, geboren 1951, war bis 2017 Redakteur beim Hörfunk des SWR in Baden-Baden. Er ist Autor von Features, Hörspielen und literarischen Texten. Verschiedene Lehraufträge führten ihn an Hochschulen im In- und Ausland. Seit 2015 hat er eine Honorarprofessur für literarische Kunst an der HfG Karlsruhe inne und ist Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim.

Scham
Vom Paradies zum Dschungelcamp

Scham gehört zum Menschen wie die Geschlechtlichkeit und das Bewusstsein – davon erzählt schon die Geschichte vom Sündenfall. Kaum eine Empfindung besitzt mehr Macht im Alltag und kaum eine ist heutzutage tabuisierter als sie. Obwohl sie scheinbar zuerst auf das Sexuelle zielt, trifft sie uns ganz, Körper und Seele zugleich. Beschämung wird als Machtinstrument gnadenlos instrumentalisiert. Doch als Mechanismus, der die empfindlichsten Anteile der Persönlichkeit schützt, ist das Schamgefühl nicht nur ein moralischer Kompass, sondern auch eine Schildwache der Integrität – obgleich sein Stern im heutigen Selbstdarstellungsrummel zu sinken scheint. Andrea Köhlers Essay geht den ambivalenten Spuren, welche die Scham im Alltag, in der Politik, der Kindererziehung, der Literatur, der Kunst und in den sozialen Medien hinterlässt, nach und zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie prägend die Macht dieses vermeintlich altmodischen Affekts für unser persönliches und gesellschaftliches Leben bleibt.

Nietzsches Vernunftpassion
Aufsätze und Reden

Nietzsche ist die fleischgewordene Revolte gegen die Abstraktion. Er revoltierte dagegen geistig, indem er die triebhaften Eingeweide des Intellekts offenlegte; literarisch, indem er die ganze Umständlichkeit argumentativer Beweisführung fahren ließ zugunsten eines impulsiven, illustrativen, bildgesättigten Gedankenausbruchs, der der Philosophensprache eine nie gekannte Anschaulichkeit und Leichtfüssigkeit gab. Nicht zuletzt revoltierte er auch physisch gegen die Abstraktion, indem er am Professorenamt erkrankte – gewissermaßen an der akademischen Welt seiner Zeit, die ihrerseits bloß die intellektuelle Firnisschicht auf der sogenannten industriellen Kultur darstellt.

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Veranstaltungsort

Palais Bellevue Kassel