zu Klampen! Verlag

Literaturwerkstatt Berlin: Nora Bossong im Dialog mit Kei Miller

In der Reihe »Poetic Dialogue London-Berlin« sind Kei Miller und zu Klampen-Autorin Nora Bossong (»Reglose Jagd«, 2007) zu Gast. Der jamaikanische Lyrikstar Kei Miller kommt erstmals nach Deutschland – und trifft auf die diesjährige Huchel-Preisträgerin Nora Bossong – London und Berlin im poetischen Feldversuch. Sie lesen aus ihrem Werk und den eigens angefertigten Übersetzungen. Zur Versuchsanordnung gehört, sich auf die Texte des Kollegen einzulassen, sie zu reflektieren und zur eigenen dichterischen Welt in Beziehung zu setzen, kurz: Einen Dialog in Gang zu bringen. Moderiert wird dieser vom Schriftsteller Martin Jankowski aus Greifswald. Die Veranstaltung der Berliner Literarischen Aktion e.V. wird gefördert vom Britisch Council London und findet statt in Zusammenarbeit mit der Literaturwerkstatt Berlin.

Nora Bossong, geboren 1982 in Bremen. Studium der Kulturwissenschaften, Philosophie und Literatur in Berlin, Leipzig und Rom. Von ihr erschien zuletzt der Roman »Gesellschaft mit beschränkter Haftung« und der Gedichtband »Sommer vor den Mauern« (beide Hanser Verlag). Sie wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Peter-Huchel-Preis und dem Kunstpreis Berlin der Akademie der Künste. Bei zu Klampen veröffentlichte sie »Reglose Jagd« (2007, 2014).

Idyll im Exil
Funken im Abgrund II

Soma Morgenstern, der große Romancier des ländlichen jüdischen Lebens in Ostgalizien, hat mit seiner im Exil entstandenen Trilogie »Funken im Abgrund« ein bedeutendes literarisches Zeugnis des 20. Jahrhunderts geschaffen. Zu seinen Lebzeiten konnte nur der erste Band in deutscher Sprache erscheinen, blieb im Sturm der NS-Vernichtungspolitik allerdings ohne Echo. Erst nach der Wiederentdeckung des Werks Soma Morgensterns durch Ingolf Schulte und dank der Werkausgabe im zu Klampen Verlag hat dieser große jüdische Autor den ihm gebührenden Platz in der deutschsprachigen Literatur gefunden. Zum 50. Todestag Morgensterns wird sein Hauptwerk, »Funken im Abgrund«, nun in einer Neuausgabe wieder aufgelegt: das Panorama einer untergehenden Welt – des jüdischen Lebens in Galizien und Wien zwischen Glauben und Auflösung, Heimat und Vertreibung. Im Zentrum der Romantrilogie steht die Familie Mohylewski: der fromme Gutsherr Welwel in Podolien, sein entfremdeter Neffe Alfred, der in Wien zwischen Assimilation und Herkunft zerrieben wird, und die Nachgeborenen, die nach dem Ersten Weltkrieg und dem Zusammenbruch des alten Europas um Sinn und Haltung ringen. Mit feiner Ironie, erzählerischer Kraft und tiefem Mitgefühl erzählt Morgenstern vom Ende einer Epoche, deren Funken noch im Abgrund leuchten. Ein Klassiker der Exilliteratur, nun wieder vollständig lieferbar.

Grabeland
Theaterstück

Ruhrgebiet 1936: Die Kohlekumpel Schorsch und Gustav führen einen Seidenraupenzüchterverein. Als ihre Zucht vom NS-Regime zur staatlichen Musteranlage erklärt wird, ergreifen sie ihre Chance, der Enge des Bergwerks zu entkommen und in die Seidenproduktion einzusteigen. Diese wird bald Teil der Kriegswirtschaft: Die zarten Fäden der Raupen dienen der Herstellung von Fallschirmen, die Zucht wird zum profitablen Rüstungszweig. Mit präzisem Blick für soziale Milieus und historische Brüche legt Nora Bossong ein eindringliches Kammerspiel über Opportunismus, Verstrickung und Schuld vor.

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Veranstaltungsort

Literaturwerkstatt Berlin
Knaackstraße 97
10435 Berlin