zu Klampen! Verlag

Gerd Zietlow liest aus Soma Morgensterns Buch »Joseph Roths Flucht und Ende«

Im Rahmen der Langen Nacht der Kirchen in Hannover liest Gerd Zietlow aus Soma Morgensterns Buch »Joseph Roths Flucht und Ende. Erinnerungen«. Soma Morgenstern und Joseph Roth waren eng befreundet, die Freundschaft endete mit dem Tod Roths in Paris 1939. In »Joseph Roths Flucht und Ende. Erinnerungen« erzählt Soma Morgenstrn die wechselvolle Geschichte dieser Freundschaft. Der Schauspieler und Künstler Gerd Zietlow trägt ausgewählte Passagen aus dem Buch vor.

Soma Morgenstern wurde 1890 in einem ostgalizischen Dorf bei Tarnopol am Sereth geboren und wuchs mit zwei Brüdern und zwei Schwestern in dieser Gegend auf. Die Umgangssprachen Ostgaliziens waren Polnisch und Ukrainisch, in Morgensterns tiefgläubiger Familie wurde jiddisch gesprochen, der Vater sorgte schon vor der Schulzeit dafür, dass seine Kinder deutsch lernten. 1912 nahm Morgenstern das Jurastudium an der Wiener Universität auf. In dieser Zeit begann die Freundschaft mit Joseph Roth. Nach der Unterbrechung durch Kriegsdienst an der Ost- und Südostfront beendete Morgenstern sein Studium in Wien 1921 mit der Promotion. Ab 1927 arbeitete er für die »Frankfurter Zeitung« als Kulturkorrespondent in Wien. Hier hatte er sich zuvor schon mit Alban Berg angefreundet. Bald heiratete er, und ein Sohn wurde geboren. Durch die Arier-Bestimmung des NS-Schriftleitergesetzes verlor Morgenstern seine Stelle bei der »Frankfurter Zeitung«. Am Tage des »Anschlusses« Österreichs an Nazideutschland flüchtete er nach Paris. Im Pariser Exil lebte Morgenstern in einem kleinen Hotel über ein Jahr lang gemeinsam mit Joseph Roth. Morgensterns lange vorbereitete Einreise in die USA verzögerte sich immer wieder durch die geltenden Quota-Regelungen. Bei Kriegsbeginn wurde er verhaftet und interniert, konnte aber nach Südfrankreich entkommen und sich schließlich nach New York retten. Nachdem er 1946 die amerikanische Staatsbürgerschaft erhalten hatte, konnten Frau und Sohn endlich aus Dänemark nachkommen. 1976 starb Soma Morgenstern in New York. Zu Klampen veröffentlichte von ihm: »In einer anderen Zeit« (1995), »Der Sohn des verlorenen Sohnes« (1996), »Idyll im Exil« (1996), »Das Vermächtnis des verlorenen Sohnes« (1996), »Die Blutsäule« (1997), »Flucht in Frankreich« (1998), »Der Tod ist ein Flop« (1999), »Dramen. Feuilletons. Fragmente« (2000), »Kritiken. Berichte. Tagebücher« (2001), seine »Werke in Einzelbänden« (2001), »Joseph Roths Flucht und Ende« (2006) und »Alban Berg und seine Idole« (2009).

Der Grimm des Lebens
Frische Kolumnen aus einem lustigen Land

Sie sind auf der Suche nach dem »Grimm des Lebens«? Sie haben ihn gefunden! In seinem neuen Buch geht der Kolumnist Imre Grimm erneut mit Charme und Strenge dem deutschen Alltag auf den Grund. Wortwitz trifft auf präzise Beobachtung, anekdotische Nostalgie auf Selbstironie. Es geht um überdrehte Brötchennamen (»Mohnika«), liebestolle Jugendsprache (»Ich küsse deine Augen, Brudi!«), unsterbliche Anglizismen (»Mannschästerhose«) – und die Freude am gehobenen Spott. Ein Buch für alle, die wissen: Das wirklich Komische entsteht nicht im Ausnahmezustand, sondern im menschlichen Normalbetrieb. Grimms Kolumnen begeistern wöchentlich Millionen Leser von mehr als fünfzig Tageszeitungen in ganz Deutschland. Mit seinen Lesungsprogrammen ist er seit vielen Jahren auf deutschen Bühnen unterwegs.

Böse Wörter
Der Kulturkampf um die Sprache und seine Irrtümer

Der Kampf für den »sensiblen« Gebrauch unserer Sprache treibt immer weitere Blüten. Angeblich böse Wörter dürfen nicht mehr ausgesprochen, Kinderbücher müssen sprachlich gereinigt, wissenschaftliche Texte durch kryptische Sprachzeichen entstellt werden. Warum? Weil die Nutzer dieser Wörter sich sonst angeblich zu Mittätern bei der Unterdrückung gesellschaftlicher Minderheiten machen. Mathias Brodkorb hat die vielfältigen Verwendungsweisen »böser« Wörter wie »Indianer«, »Neger« oder »Zigeuner« untersucht. Dabei stellt sich heraus, dass das bloße Aussprechen dieser Wörter noch nichts über die Absichten der Sprecher verrät. Denn wer vom »N-Wort« spricht, muss zugleich immer an das Wort »Neger« denken, um es zu übersetzen. Macht sich der Sprachkritiker damit nicht selbst Tag für Tag schuldig? In teilweise höchst amüsanten Geschichten beleuchtet Brodkorb die »bösen« Wörter und ihre realen Gegenstände. Dabei kommt er zu dem Schluss, dass menschliche Kommunikation nur gelingt, wenn wir den Aussagen unserer Gesprächspartner zunächst wohlwollend begegnen. Mit ein wenig mehr Gelassenheit könnte an die Stelle von Konfrontation gelungene Verständigung treten.

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Veranstaltungsort

Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde Hannover Badenstedt