Ein Klassiker der Politik- und Ökonomiekritik wird wieder aufgelegt: Chomskys grundlegende Studie über das jahrhundertealte Ausbeutungsverhältnis der sogenannten Ersten Welt zur Dritten. Mit der Eroberung und Unterwerfung Amerikas vor über fünfhundert Jahren begann das gnadenlose Aussaugen der Armen dieser Welt durch die europäischen Eliten, im Kolonialismus wurde es als System eingerichtet. Die sogenannte Neue Weltordnung hat dem Ganzen zwar einen neuen Anstrich gegeben, an der empörenden Praxis aber nichts geändert.
Die neue Monographie über Leben und Werk Casanovas entwirft ein umfassendes Bild des Mannes, der als eine der vielschichtigsten Persönlichkeiten seiner Epoche gelten kann. Ohne die galanten Abenteuer des venezianischen Lebenskünstlers auszusparen, werden die gesellschaftlichen Verhältnisse beleuchtet, in denen er sich bewegte. So tritt nicht nur der Liebhaber der Frauen und der Verfasser der ‚größten Selbstdarstellung des 18. Jahrhunderts‘ (Hans Blumenberg), sondern auch der leidenschaftliche Streiter für die Vernunft in diesem Buch lebendig hervor. Casanova führte ein rastloses Leben. Er platzierte französische Staatsanleihen und wurde in Paris als Organisator des gewinnträchtigen, aus Genua importierten Lottospiels tätig. Auf eine Anstellung hoffend, sprach er bei Friedrich dem Großen, Katharina der Großen und beim polnischen König vor. Obgleich diese Vorstöße alle erfolglos endeten, blieben sie nicht folgenlos: Ergebnis seiner missglückten Reise nach Warschau etwa ist eine glänzende Abhandlung über die der Aufteilung Polens vorausgehenden Wirren. Mit dem Schwinden seiner Aussichten auf eine politische Karriere rückten seine philologischen Interessen in den Vordergrund. Im böhmischen Dux schließlich, wo er seine letzten Lebensjahre als Bibliothekar des Grafen Waldstein verbrachte und seine Lebensgeschichte niederschrieb, widmete er sich dem Verhältnis von Sprache und Politik und rechnete mit der Französischen Revolution ab, die seine Welt zum Einsturz gebracht hatte.
In der Moderne mussten die Kriegsfürsten immer darauf bedacht sein, ihre Expansionspolitik der eigenen Bevölkerung als humanitäre oder defensive Notwendigkeit schmackhaft zu machen. Bis heute hat sich daran nichts geändert: Wladimir Putin bedient sich anlässlich des von Russland 2022 begonnenen Ukrainekriegs solcher Formen der Propaganda. Aber auch westliche Staaten setzen auf solche Narrative. ‚Sadam Hussein verfügt über ein ganzes Arsenal von Massenvernichtungswaffen.‘ ‚Die serbische Soldateska schickt sich an, einen Genozid an der albanischen Mehrheit im Kosovo zu begehen.‘ ‚Die Sicherheit der westlichen Welt steht auf dem Spiel.‘ Anne Morelli hat Die Prinzipien der Kriegspropaganda aufdecken können, die offensichtlich so etwas wie die zehn Gebote der Kriegsfürsten für die ‚Heimatfront‘ darstellen. Sie werden mit historischen Beispielen aus den Kriegen der letzten einhundert Jahre belegt – und zwar mit Beispielen von beiden Seiten der jeweiligen Konflikte. Allen offiziellen Verlautbarungen, so das Fazit der Autorin, muß im Konfliktfall mit systematischem Zweifel begegnet werden. Denn ihre Wahrheit kann erst geprüft werden, wenn es zu spät ist – nach dem Krieg.
Freunde, Nachbarn und Kollegen beschrieben ihn als freundlich, hilfsbereit und gesellig, er galt als liebevoller Vater, als Stimmungskanone, als Kumpel, als unbescholtener Handwerker und seriöser Geschäftsmann mit Kontakten zu den höchsten Kreisen der Gesellschaft. Doch unbemerkt von der Außenwelt führte der Kürschnermeister Lutz Seifert über viele Jahre hinweg ein ganz anderes Leben. Im Atomschutzbunker seines Reihenhauses in Hamburg-Rahlstedt hielt der Pelzhändler mehrere Frauen gefangen, folterte sie wochenlang, tötete sie, zerstückelte die Leichen und löste sie in Säurefässern auf, die er dann im Garten vergrub. Zuvor zwang er seine Opfer, ihren Angehörigen zu schreiben, dass sie nicht nach ihnen suchen sollten, weil sie einen neuen Partner gefunden hätten und ein neues Leben beginnen wollten – fernab ihres bisherigen Wohnorts. Die Polizei widmete den Vermisstenfällen daher keine größere Aufmerksamkeit. Dies änderte sich erst, als die Kriminalbeamtin Karla Sommer auf eigene Faust ermittelte – gegen den Willen ihres Vorgesetzten, nach Feierabend und an Wochenenden. Anders als ihre Kollegen glaubte die Polizeiobermeisterin einer Frau, die von Seifert nach einer gescheiterten Lösegeldforderung freigelassen worden war und aus ihrer Gefangenschaft angeblich ‚wirres Zeug‘ berichtete. Die Polizistin nahm auch die Mutter einer Industriekauffrau ernst, die drei Jahre zuvor überraschend verschwunden war. Sie befragte Zeugen, studierte Akten, stellte Zusammenhänge zwischen unterschiedlichen Vermisstenfällen her und veranlasste die Justiz so zum Handeln. Mit Erfolg: Seifert wurde schließlich 1996 wegen Mordes in zwei Fällen zu lebenslanger Haft verurteilt.
Wer mit Höchstleistern mithalten will, kann sich nicht auf gewohntes Betriebswirtschaftswissen verlassen, denn das funktioniert nur für träge Umgebungen, wo Erfolg das Ergebnis präziser Planung und disziplinierter Umsetzung ist. Wo aber viel Überraschendes passiert, wird Planung nutzlos und Konsequenz gefährlich. Die hier vorgestellten Überlegungen sind beim neugierigen Beobachten der Höchstleister entstanden. Sie sind keine Handlungs- sondern Denkempfehlungen und helfen dem Leser, die Kraft des eigenen Denkens zu entdecken.
Diese Studie untersucht die Entwicklung rechtsextremer Einstellungen im Zeitverlauf der Jahre 2002 bis 2010 und bettet die Analyse in den aktuellen gesellschaftspolitischen Zusammenhang der Finanz- und Wirtschaftskrise ein. Mit Blick auf die ökonomische »Mitte« der Gesellschaft wird der Frage nachgegangen, ob es einen Zusammenhang zwischen Ökonomie und rechtsextremen Einstellungen gibt bzw. ob und wie sich die ökonomische Krise auch in einer politischen Krise auswirkt. Die Studie verzeichnet eine signifikante Zunahme antidemokratischer und rassistischer Einstellungen. Insbesondere chauvinistische und fremdenfeindliche Einstellungen nehmen dramatisch zu und dokumentieren krisenbedingte Mechanismen der Abwertung gegenüber »Fremden«. Parallel dazu nimmt die Zustimmung zur Demokratie deutlich ab. Mehr als 90 % der Bevölkerung halten es für sinnlos, sich politisch zu engagieren, und glauben nicht, Einfluss auf die Regierung nehmen zu können. Die mit der Wirtschafts- und Finanzkrise einhergehenden gestiegenen Zustimmungswerte zu rechtsextremen Aussagen deuten darauf hin, dass die Unterstützung der Demokratie im Falle einer (wahrgenommenen) Bedrohung des wirtschaftlichen Wohlstands gefährdet ist. Der Wohlstand bringende Kapitalismus scheint als Garant für das demokratische System zu fungieren, der Stolz auf den »Wirtschaftsstandort Deutschland« ersetzt als »narzisstische Plombe« das Bedürfnis der Deutschen nach Zu- bzw. Unterordnung unter eine Autorität. Wird das Wohlstandsversprechen der Ökonomie nicht eingelöst, droht das demokratische Fundament zu wackeln.
Europa bricht auseinander. Nur über die Suche nach den Gründen des Scheiterns lassen sich die Bedingungen des Gelingens finden. Das erfordert, so zeigt dieses Buch, historische Rückbesinnung, nicht zuletzt auf die hellenischen Grundlagen unserer Kultur: Niemals kann ein freiheitliches Gemeinwesen sich gründen auf religiöse Gebote oder ökonomische Interessen, sondern einzig auf den politischen Willen seiner Bürger. Unverzichtbar ist ein kulturelles Gedächtnis, welches jene universalistische und menschenrechtliche Orientierung stabilisiert, der sich die westlichen Demokratien verpflichtet wissen. Denn nur diese vermag zu garantieren, dass die historische Wahrheit eine verbindliche Leitidee bleibt und die globalen Zukunftsentwürfe auf allgemeiner Vernunft basieren. Andernfalls, so zeigt der Autor, sind gefälschte Vergangenheiten und daraus abgeleitete Ansprüche nicht zurückweisbar und die Feinde der Freiheit nicht benennbar, sind die parallelgesellschaftlichen Zerrissenheiten nicht zu überwinden und die theokratischen Drohungen nicht zu parieren.
Heute, da Vollbeschäftigung als Gipfel des gesellschaftlich Erstrebenswerten gilt, Umtriebigkeit und atemloses ›Am-Ball-Bleiben‹ auch nach der Arbeit angesagt sind, scheint jeder sich rechtfertigen zu müssen, der am Wochenende einfach nur Däumchen drehen möchte. Dabei galt Muße zu haben in der Antike als Ideal, und selbst das Mittelalter übte noch Nachsicht gegenüber dem antriebslosen Nichtstuer. Erst die Neuzeit brachte die entscheidende Wende: Fortschrittsglaube und Veränderungswille ließen ihn seine Unschuld verlieren, machten ihn zur parasitären Existenz. Seit einiger Zeit allerdings beginnt der Gedanke der Entschleunigung wieder an Akzeptanz zu gewinnen. Nicht nur die Oblomows der Literatur dürfen somit auf heimliche Sympathien hoffen, sondern auch derjenige, der sich der allgemeinen Geschäftigkeit verweigert. Und dennoch: Kaum je schien es angesichts allgegenwärtiger Freizeitangebote und digitaler Zerstreuungen so schwer wie heute, faul zu sein. Manfred Koch legt mit diesem Band eine unterhaltsame und kompakte Kulturgeschichte des Müßiggangs im Spiegel von mehr als zwei Jahrtausenden vor und führt seine Leser in die heikle Kunst der Faulheit ein.
Am 20. Juli 1969 setzte der erste Astronaut seinen Fuß auf den Mond. Die Lorbeeren dieses Menschheitsabenteuers erntete vor allem ein Mann: Wernher von Braun. Unter seiner Leitung war die »Wunderwaffe« entwickelt worden, die NS-Deutschland doch noch den Endsieg hatte bescheren sollen. Mit dem Erfolg des Apollo-Programms aber trat seine Beteiligung am NS-Rüstungsprogramm in den Hintergrund. Im Gegensatz zu der bis heute verbreiteten Legende von Peenemünde, nach der die Raketenproduktion strikt vom verbrecherischen System der Nationalsozialisten getrennt gewesen sei, belegt Mondsüchtig, dass Wernher von Braun und seine Spitzentechniker aktive Nutznießer der mörderischen NS-Zwangsarbeit waren. Die Heeresversuchsanstalt Peenemünde war ein Mikrokosmos des »Dritten Reiches« mit überzeugten Nazis, Mitläufern und einem Konzentrationslager. Rainer Eisfeld erzählt eine Geschichte von opportunistischen Ingenieuren, denen die Technik zum Selbstzweck wurde und die ihre tiefe Verstrickung in die Barbarei des Nationalsozialismus bis zuletzt verleugneten.
‚Wir haben zuwenig Kinder und wir werden immer älter. Unsere Zukunft und die unserer Kinder steht auf dem Spiel‘, sagt Horst Köhler. ‚Im Krieg der Generationen sind Sie dabei. Tatsächlich ist unsere Lage unhaltbar geworden‘, sagt Frank Schirrmacher. Nicholas Strange aber fragt: Wird die schrumpfende Zahl von Arbeitsfähigen wirklich unvermeidlich von der dramatisch steigenden Masse alter Leute erdrückt? Zwar ist an der demographischen Entwicklung kein Zweifel möglich. Die Folgen aber stellen dank der vorhandenen Produktivitäts- und Arbeitskraftreserven unserer Wirtschaft kein unvermeidliches Problem dar. Denn bei fünf Millionen Arbeitslosen, durchschnittlich zweiprozentigem Produktivitätsfortschritt pro Jahr und vergleichsweise extrem langen Ausbildungszeiten sind diese Reserven in Deutschland sehr groß. Seine detaillierte Analyse läßt den Autor zu dem Schluß kommen: Im schlimmsten Falle werden wir in 50 Jahren nur doppelt, nicht dreimal so großen Wohlstand genießen können wie heute.
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