Politik

Standort Bananenrepublik
Streifzüge durch die postkoloniale Welt

EPUB
7,99 €

Auflage
1. Aufl.
Einband
Hardcover
Umfang
206 Seiten
Erschienen
15. Aug 2004
Status
lieferbar
Format
12,00 x 19,00 cm
Sprache
Deutsch
Verlag
zu Klampen Verlag
ISBN-13
9783934920422
ISBN-10
393492042X

»Anschaulich geschrieben, präzise recherchiert, - beste Informationen.« Das Parlament

Wo liegen die Bananenrepubliken heute? In den subtropischen Zonen unserer Erde, wo die kleinen Länder zu Plantagen des Westens hergerichtet wurden und als abhängige Monokulturen verkommen? Oder mitten in Europa, wo mit monokulturellem Blick die Dritte Welt entweder als armes Opfer oder als irres Schlachthaus wahrgenommen wird? Standort Bananenrepublik – das ist hier wie dort. Hans Christoph Buch gehört zu den wenigen, die hier wie dort zu Hause sind. Daher sind seine Texte zu erfahrungsgesättigt für die Klischees beider Seiten. Seit mehr als drei Jahrzehnten bereist der Autor Krisengebiete und Kriegsschauplätze, auch abseits der gerade medienwirksamen Regionen, dokumentiert politische, kulturelle und ökonomische Umbrüche und darf für sich beanspruchen, einer der eindrücklichsten, kenntnisreichsten, unbeirrbarsten Berichterstatter zu sein. Hans Christoph Buch streift jedoch nicht nur als Reporter durch die postkoloniale Welt, sondern auch als homme de lettres. Ob Graham Greenes Aufenthalte im traditionsreichen »Grand Hotel Oloffson« in Port-au-Prince, Joseph Conrads unheimliche Erkundungen im »Herz der Finsternis«, Hermann Hesses Nachruhm in Asien, die sentimentalische Neigung der Linken zum chilenischen »Blut-und-Boden«-Dichter Pablo Neruda oder der versammelten Alternativ-Globetrotter zu Bruce Chatwin – dem Autor dienen sie als willkommene Aufhänger, um die gegenwärtige Situation in den exotischen Ländern zu durchleuchten. Standort Bananenrepublik zeigt die Vielseitigkeit des Schriftstellers Hans Christoph Buch: hinreißende erzählerische Passagen wechseln mit skrupulösen politischen Analysen, scharfe Polemiken mit literarischen Rückblicken und süffisanten Betrachtungen zum Zeitgeist.
Leseprobe: Hotelküchen haben den Vorteil, daß der Gast sie niemals zu betreten braucht, außer er hat einen perversen Hang zum Küchenpersonal. Trotzdem bin ich meinem Vorsatz untreu geworden und habe den Fuß in eine Hotelküche gesetzt, nach der Landung in Kinshasa, der Hauptstadt der Kongorepublik, die von ihrem damaligen Präsidenten, der mit vollem Namen Mobutu Sese Seko Kuku Ngbendu Wa Zabanga hieß, in Zaire umbenannt worden war. Am Fuß der Gangway nahm mich ein Koch mit weißer Mütze in Empfang und führte mich an der Paß- und Zollkontrolle vorbei zur Küche des Flughafenrestaurants, wo er den Deckel eines auf dem Herd stehenden Kochtopfs lüftete. In Erwartung leckerer Speisen lief mir das Wasser im Mund zusammen – ich hatte seit Stunden nichts mehr gegessen: Doch an Stelle von Hühnerschenkeln war der Topf bis zum Rand mit Rohdiamanten gefüllt, die der Koch mir für einen Spottpreis zum Verkauf anbot. Obwohl ich ungeschliffene Diamanten nicht von Glassplittern unterscheiden kann, legte ich damit den Grundstein zu einem beträchtlichen Vermögen, das, wie gewonnen, wieder zerrann – aber das gehört in ein anderes Kapitel meiner Geschichte, ebenso wie die verdächtig aussehenden Männer in braunen Uniformen, die mich unter einem Transparent mit der Aufschrift »Der neue Beaujolais ist da!« am Ausgang des Flughafens erwarteten.

Autor(en): Hans Christoph Buch.



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