Der zehnte Band der Soma Morgenstern-Edition bringt zunächst die beiden frühesten Texte Morgensterns, seinen in den zwanziger Jahren entstandenen Dramen. Das erste, "ER oder ER", konfrontiert die mythische Gestalt Don Juan Tenorio mit dem historischen Casanova. Das Drama "Im Dunstkreis" umkreist die sozialen Bedingungen künstlerischer Produktion in der Moderne und spielt unter den Matadoren eines Wiener Literaten- und Künstlercafés. Beide Dramen sind bisher unveröffentlicht und niemals aufgeführt worden.
Morgensterns Feuilletons umfassen alle die Texte, die primär literarisch motiviert sind. Er schrieb sie zwischen 1927 und Ende 1933 für die "Frankfurter Zeitung", deren Wiener Kulturkorrespondent er bis April 1934 war.
Die Fragmente aus dem Nachlaß enthalten neben Skizzen zu einem dritten, nicht ausgeführten Drama mit dem Titel "Imago" alle erhaltenen Entwürfe zum Mechzio-Roman, mit dem Morgenstern zu Beginn der vierziger Jahre seine Trilogie zu erweitern gedachte.
Vita
Soma Morgenstern
Der jüdische Schriftsteller Soma Morgenstern (1890–1976) wuchs in einer orthodoxen Familie in Ostgalizien auf. Nach einem Jurastudium in Wien und dem Kriegsdienst wurde er 1921 promoviert. Ab 1927 berichtete er als Kulturkorrespondent der »Frankfurter Zeitung« aus Wien und bewegte sich im Freundeskreis von Alban Berg und Joseph Roth. Nach dem »Anschluss« Österreichs musste Morgenstern 1938 nach Paris fliehen, später emigrierte er in die USA. Seine Romane, Essays und autobiografischen Werke gelten heute als bedeutende Zeugnisse der Exilliteratur.
Ingolf Schulte
Ingolf Schulte, geb. 1938 in Hamburg, lebt in der Nähe von Frankfurt. Arbeit im graphischen Gewerbe; literarische und philosophische Studien; Lehrtätigkeit im Bereich der Philosophie. Ingolf Schulte ist Herausgeber der Soma Morgenstern Edition im zu Klampen Verlag. Darin erschienen: »In einer anderen Zeit« (1995), »Der Sohn des verlorenen Sohnes« (1996), »Idyll im Exil« (1996), »Das Vermächtnis des verlorenen Sohnes« (1996), »Die Blutsäule« (1997), »Flucht in Frankreich« (1998), »Der Tod ist ein Flop« (1999), »Dramen. Feuilletons. Fragmente« (2000), »Kritiken. Berichte. Tagebücher« (2001), Morgensterns gesamte »Werke in Einzelbänden« (2001), »Joseph Roths Flucht und Ende« (2006) und »Alban Berg und seine Idole« (2009).
Pressestimmen
Die vom Herausgeber sachkundig kommentierten Texte ergänzen auf wertvolle Weise das Gesamtbild Soma Morgnsterns, dessen Menschlichkeit sich zu einer unmenschlichen Zeit behauptete.
Gerade dieser literarische Überschuss freilich macht sie für uns heute interessant als mehr denn bloße Zeitdokumente.
Zur Gesamtausgabe: Dem zu Klampen Verlag gebührt das Verdienst, jenen bis in die neunziger Jahre so gut wie unbekannten Autor durch eine elfbändige Werk-Ausgabe ins literaturwissenschaftliche Bewusstsein gehoben zu haben, wo ihm verdiente Rettung vor dem Vergessenwerden winkt.