Scham gehört zum Menschen wie die Geschlechtlichkeit und das Bewusstsein – davon erzählt schon die Geschichte vom Sündenfall. Kaum eine Empfindung besitzt mehr Macht im Alltag und kaum eine ist heutzutage tabuisierter als sie. Obwohl sie scheinbar zuerst auf das Sexuelle zielt, trifft sie uns ganz, Körper und Seele zugleich. Beschämung wird als Machtinstrument gnadenlos instrumentalisiert. Doch als Mechanismus, der die empfindlichsten Anteile der Persönlichkeit schützt, ist das Schamgefühl nicht nur ein moralischer Kompass, sondern auch eine Schildwache der Integrität – obgleich sein Stern im heutigen Selbstdarstellungsrummel zu sinken scheint.
Andrea Köhlers Essay geht den ambivalenten Spuren, welche die Scham im Alltag, in der Politik, der Kindererziehung, der Literatur, der Kunst und in den sozialen Medien hinterlässt, nach und zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie prägend die Macht dieses vermeintlich altmodischen Affekts für unser persönliches und gesellschaftliches Leben bleibt.
Vita
Andrea Köhler
Andrea Köhler studierte Germanistik und Philosophie. Seit 1985 ist sie als Journalistin, Essayistin und Literaturkritikerin tätig. Von 1991 bis 1994 arbeitete sie als Kulturkorrespondentin in Paris. 1995 trat sie in die Feuilletonredaktion der »Neuen Zürcher Zeitung« ein, für die sie von 2001 bis 2018 als Kulturkorrespondentin aus New York berichtete. Bei zu Klampen erschienen von ihr »Scham. Vom Paradies zum Dschungelcamp« (2017) und »Vom Antlitz zum Cyberface. Das Gesicht im Zeitalter seiner technischen Manipulierbarkeit« (2024).
Pressestimmen
Fast jeder Satz dieses brillant formulierten Essays lädt zum Nachdenken ein.
Eine sehr inspirierende Lektüre!
Lesenswerter Widerspruch zur These von der in der Gegenwart gesunkenen Bedeutung des Schamgefühls. (…) Die Stärke liegt in der von Köhler abgedeckten Bandbreite: Sie führt unter anderem Beispiele aus Kunst, Philosophie, Soziologie, Politik, Pädagogik und Kriminologie an.
Köhlers ebenso dicht wie elegant geschriebener 150-Seiten-Essay ist ein lesenswerter Widerspruch zur These von der in der Gegenwart gesunkenen Bedeutung des Schamgefühls.
Das brillante kleine Buch ›Scham‹ von Andrea Köhler, Kulturkorrespondentin der NZZ in New York, liest sich kapitelweise (ebenfalls) wie ein Kommentar zu Trump avant la lettre.
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Voller guter Beobachtungen und kluger Gedanken.
Die einzelnen Gedankengänge regen zum Weiterdenken an als Teile eines Textes, der in seiner Themensetzung und Argumentation ernstzunehmend zeitgemäß ist.