Versteckt in einer Warschauer Ladenwohnung schrieb Perechodnik von Mai bis August 1943 dieses Tagebuch. Es ist zugleich die Lebensbeichte, das Schuldbekenntnis und der Zeugenbericht eines jüdischen Ghettopolizisten aus Otwock, der aus Leichtgläubigkeit und Naivität seine Frau und seine zweijährige Tochter in den Tod führte. Perechodnik schenkte blind den Versprechen der Deutschen Glauben, daß Polizisten und deren Familien von den Aussiedlungsaktionen in Arbeitslager und KZs ausgenommen wären. Es gab für ihn keinen Grund, weshalb sich seine Familie nicht auf dem Versammlungsplatz für den Abtransport zusammen mit allen anderen nichtprivilegierten Juden hätte einfinden sollen. Perechodnik holte seine Frau und seine Tochter aus deren Versteck auf den Platz, wo sie wie alle anderen achttausend Juden in die Gaskammern von Treblinka deportiert wurden.
»Bin ich ein Mörder?« - diese Frage martert das Gewissen eines Opfers, das selbst zum Mittäter geworden ist, eines Getäuschten, der an seiner eigenen Leichtgläubigkeit verzweifelt.
Vita
Calel Perechodnik
Calel Perechodnik, 1916 in Otwock geboren, starb 1944 während des Warschauer Aufstands in einem Bunker. Das Tagebuch konnte von Perechodniks Bruder, der als einziger der Familie überlebte, gerettet werden. Fast fünfzig Jahre lang lagerte es in Yad Vashem, erst 1993 wurde es in Israel und Polen publiziert. Bei zu Klampen erschien sein Werk »Bin ich ein Mörder?« (1997, 2015).
Pressestimmen
Seine erschütternden Aufzeichnungen sind nicht nur Anklageschrift gegen die deutschen Besatzer, sondern ebenso Gewissenserforschung, Beschreibung seines furchtbaren Dilemmas, in dem er sich als Ghetto-Polizist befand, und eine Liebeserklärung an seine ermordete Familie.
Eines der ungewöhnlichsten Dokumente über den Holocaust.
Es übertrifft an Authentizität und Eindringlichkeit alles, was in jüngster Zeit über den Holocaust veröffentlicht wurde.