Zurück auf Los//Frauen erzählen aus der Arbeitslosigkeit

Claudia Hempel
Zurück auf Los

Frauen erzählen aus der Arbeitslosigkeit

Hardcover mit Schutzumschlag, 240 Seiten
Format: 13.5 x 21 cm
Erscheinungstermin: September 2006
ISBN 9783934920934
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Inhalt

Sie sind qualifiziert, flexibel, leistungsfähig... und arbeitslos. Dreizehn Frauen, von der Studienabsolventin bis zur ehemals hochdotierten Führungskraft, erzählen von einer völlig neuen Lebenssituation: der Arbeitslosigkeit.
Alle glaubten sie vor kurzem noch, ihre berufliche Karriere könne nur eine Richtung nehmen: die nach oben. Der abrupte Bruch in ihren individuellen Erwerbsbiographien stellt sie vor die gemeinsame Erfahrung, wieder »zurück auf Los« geschickt zu werden. Beim anschließenden, oft demütigenden Bewerbungsmarathon begegnen sie alten Vorurteilen und neuen Ressentiments. Denn egal ob jünger oder älter, ob in Ost oder West lebend, gern werden arbeitslose Frauen wieder in tradierte Rollenmuster gedrängt.
Zurück auf Los fängt in lebendigen Erzählprotokollen die vielfältigen Reaktionen dieser dreizehn Frauen auf ihre Arbeitslosigkeit ein – wie sie sich trotz aller Zurücksetzung den ironischen Blick auf ihre jeweilige Situation bewahrt haben und mit Energie und Phantasie neu zu orientieren beginnen.

Leseprobe

Wenn mir früher jemand gesagt hätte, du bist jetzt immer noch arbeitslos, dann hätte ich mich wahrscheinlich gleich erschossen.
Übers Arbeitsamt habe ich einen Business-Englischkurs bekommen und in diesem Kurs habe ich mein gesamtes Weltbild in Frage gestellt. Das fing damit an, dass unser Englischlehrer sagte, ihm sei aufgefallen, dass es in Deutschland wesentlich weniger Frauen in Führungspositionen gäbe, als z.B. in Großbritannien. Er würde das Thema gern auf Englisch diskutieren. Und dann kamen da Argumente - Frauen können nicht so gut mit Zahlen umgehen, nicht so abstrakt denken, lauter solche Dinge. Ich habe immer gedacht, das stirbt irgendwann aus. Nein, diese Argumente sind unbemerkt nachgewachsen in den Köpfen von 25- bis 35jährigen Frauen und Männern. Ein Einkaufsleiter hat gesagt, Frauen gehören nach Hause und sollen sich um die Kinder kümmern. Das war wie ein Schlag ins Gesicht. Wenn alle so denken, habe ich ja nie wieder eine Chance auf dem Arbeitsmarkt.
Durch die Arbeitslosigkeit habe ich einen absoluten Bruch in meiner Lebensauffassung erlebt. Ich hatte immer den Gedanken, wenn du nur hart genug arbeitest, dann bringst du es weit. Ich bin gar nicht auf die Idee gekommen, dass ich mal arbeitslos werden könnte. Und wenn, dann habe ich relativ schnell wieder etwas Neues. Es gibt genügend Leute, die wissen, dass ich sehr engagiert bin. Jetzt kommen aber noch finanzielle Ängste hinzu. Hartz IV trifft mich voll. Ich habe 20 Jahre den Höchstbetrag in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt. Jetzt reicht das Nettogehalt meines Mannes gerade, um die Hypothek für das Haus zu bezahlen.

Pressestimmen

»Kompetent, flexibel, motiviert und ohne Job: Für Zurück auf Los. Frauen erzählen aus der Arbeitslosigkeit hat Claudia Hempel Frauen interviewt, die von ihrem Kampf um einen Arbeitsplatz berichten – und auf unkonventionelle Auswege stießen.«                                                                                                      Freundin

»Die professionell verdichteten Gesprächsprotokolle sind zunächst einmal interessante Lebensgeschichten ... Aus den individuellen Schicksalen ... lässt sich aber außerdem viel über gesellschaftliche Trends und die unterschiedlichen Lebensansätze in Ost- und Westdeutschland lernen. ... Ein Buch, das aufrüttelt, weil es eindrucksvoll die Gleichung außer Kraft setzt, dass Kompetenz und Engagement eine sichere Existenz garantieren. Und ein Buch, das ermutigt: weil die interviewten Frauen auch nach Fehlschlägen wieder aufstehen.«                                                                    Kieler Nachrichten

»Und Hempel lässt sie erzählen, mit allen Brüchen, mit allen Hoffnungen und Enttäuschungen, den kleinen und größeren Notlügen, lässt die Ungereimtheiten stehen – und wirken. Und wie sie wirken. ... Die Fernsehjournalistin [nimmt sich] zurück und verschwindet komplett hinter den Porträtierten (und veranschaulicht so den Unterschied zwischen gut gemeintem und gutem Journalismus). ... Verständnis wächst gerade aus dem Wechselspiel zwischen Empathie und intellektuellem Hinterfragen, dem sich kein Leser verschließen kann.«                                                       Financial Times Deutschland

»Mehr als es Zahlen und Statistiken vermögen, zeigen diese 13 Lebensgeschichten, wie brüchig der gesellschaftliche Konsens ist, der auf Wachstum, Karriere, Leistung und Wohlstand setzt.«                                                                                                 Frankfurter Rundschau

»13 Erzählprotokolle, die so lebendig wie auskunftsfreudig nicht nur von persönlichen Schicksalen erzählen, sondern gleichzeitig tiefe Einblicke in erschreckend unfähige, unsensible und ungerechte Strukturen bürokratischer Arbeitsvermittlung geben.«                                          Sächsische Zeitung

»Kein Zweifel, Hempel beweist in der Auswahl ihrer Interviewpartnerinnen ein sicheres Gefühl für eine ausgewogene Mischung verschiedener Branchen, Lebensphasen und Karriereentwürfe. ... [Sie] verzichtet auf allzu penible sprachliche Glättungen des gesprochenen Wortes. Zusammen mit den oft sehr persönlichen Einblicken spricht deshalb aus dem sachlich spröden Charme der Seiten ... das ganze Spektrum zwischen Selbstzweifeln, Hoffnung und Aussichtslosigkeit, das sich hinter nüchternen Arbeitslosenzahlen verbirgt.«                                                                    Nordwest-Zeitung

»Wenn man solche Geschichten liest, verwundert es nicht mehr, dass Haushalt und Kindererziehung in Deutschland trotz aller rhetorischen Emanzipationsbereitschaft weiterhin maßgeblich den Frauen obliegen.«                                                                                              Literaturen