Neue Heiterkeit//Gedichte

Hauke Hückstädt
Neue Heiterkeit

Gedichte

Herausgeber: Kattner, Heinz;
Hardcover, 47 Seiten
Format: 14.8 x 24.5 cm
Erscheinungstermin: April 2001
ISBN 9783933156624
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Inhalt

Glenn Gould, Schulzeit in der DDR, belassene Sperrgebiete, der eigene Vater, Mozarts Requiem, die verzettelten Idyllen der Bohème in der Nach-Wende-Zeit und immer wieder Trennungen und Abschiede sind es, von denen Hauke Hückstädts Gedichte erzählen. Geschult an der Stimmungs- und Lichtregie Edward Hoppers oder Dominik Grafs nimmt Hückstädt die alte Tradition des Erzählgedichts auf. Lapidar setzen sie ein, aber aufgeladen, angefressen und nervös von den Geschichten hüten diese Gedichte ihre Atmosphären, Erfahrungen und Fahrlässigkeiten. Neue Heiterkeit ist der erste eigene Gedichtband von Hauke Hückstädt.
Dieser Einzelband ist Teil der von der Stiftung Niedersachsen geförderten Lyrik Edition.

Leseprobe

Anschlag für Anschlag

Die Registrierkarte der Triumph schüttelt sich
mit jedem Abstatz, vor jeder neuen Zeile.
Der schwarze Strunk auf dem Papier -
ich kaue dran, ohne eine Miene.
Jeder deiner Briefe ist eine Fehleranalyse,
der ich zugrunde liege.
Jetzt lebe ich in einer Datscha gemeinsamer Freunde,
allein mit dem Empfinden für gewöhnliche Dinge.
Nachts höre ich auf das Trafohäuschen,
in dem die ganze Gegend organisiert ist,
durch das sich die Kommandos
nach Lichtschalter tappender Hände winden,
um Kilometer entfernt von hier
jemandem seine Lage vor Augen zu führen.

Das Schienbein eines Tisches
oder der Ellbogen einer Klinke
linkt den Bewohner im Dunkel.
Das Spiralkabel des Telefons
zieht sich nur enger zusammen,
darin Schlinge und Unglückswurm ähnlich,
weil sich seit Wochen kein Teilnehmer durchringt.

Die Maschine quengelt mit jedem Zeichen.
Ein monströses Beweisstück für Evolution,
auf dessen Tastatur die zwei Finger stapfen,
dann vier, merklich schneller - sie kriechen zu dir.

Pressestimmen

»Diese Gedichte gehören ins Times Literary Supplement!«
Raoul Schrott

»›Thema über eine Variation‹: mit diesem Kunststück stellt Hückstädt einer legendären Einspielung ein Gedicht zur Seite, das sich in seiner cleveren Leichtigkeit und unprätentiösen Virtuosität neben dem Spiel des Kult-Pianisten Gould zu entfalten weiß: der junge Autor und der Vielbewunderte ergänzen einander, begegnen sich hier auf Augenhöhe.«
Die Welt

»Hückstädt ist eine der originärsten Stimmen der jungen deutschen Poesie. Wunderschön sperrig und voll 'verlotterter Weiten' sind die Verse dieses Autors.«
Sächsische Zeitung


»Hückstädts Sprache riskiert wenig. Sie hat dieses Risiko nicht nötig, so offen, frei und lakonisch bewegt sie sich und ihre Leser.«
Kieler Nachrichten